Wir aus dem Osten

Rominter-Heide

Das einzige Gute an den Nürnberger Rassegesetzen war, daß die Deutschen gezwungen wurden, ihre Vorfahren zu dokumentieren. Deshalb sind sie mir zwar väterlicherseits erhalten (wobei die Daten wahrscheinlich wegen Unlesbarkeit handschriftlicher, auch falscher Eintragungen und Eindeutschung der Namen variiern), dagegen besitze ich über die nach Ostpreußen eingewanderten Salzburger mütterlicherseits (Brandtstaedter, Lackner) kein Material. Das liegt hauptsächlich daran, daß sich Kalweits Dokumente schon vor Flucht und Vertreibung in Hannover befanden, dagegen von den im Osten lebenden Vorfahren bei der Flucht nach Westen, nachdem in Nemmersdorf deutlich geworden war, was sie erwartete, nur das Lebensnotwendigste mitgenommen wurde.
Im Stadtarchiv Königsberg wird im Register des Jahres 1556 für Putkampy (später Potzkehmen, dann Podszohnen) ein „Doba“ aufgeführt. Der Name ist später durch Anfügen von „is“ oder „itis“ verlitauischt worden (Dobatis, Dobaitis), und erst im 19.Jahrhundert setzt sich die Form „Dobat“ durch.
Der frühste bekannte meiner Vorfahren väterlicherseits ist ein David Dobat (1669-1760 Podszohnen), der sich mit der 1759 verstorbenen Jedwiga verheiratet. Auch später tauchen bei den Frauen Namen auf, die auf littauischen Ursprung schlieβen lassen. Anscheinend waren deren Daten aber nicht so wichtig oder bekannt wie die der Männer. Sohn des David wird der gesicherte Stammvater Erdmann Dobat (1716-1756 Podszohnen), der Barbe heiratet. Aus dieser Verbindung entstehen 5 Kinder, von denen David Dobat (1752-1829 Podszohnen) zusammen mit Aste Didszun der Stammvater für meinen Vater Hans und dessen Halbschwester Marta wird, während Jurgis Dobat (1750-1829 Podszohnen), verheiratet mit Annicke (gest. 1800 in Podszohnen), als Stammvater von Christoph Kalweit anzusehen ist, der Marta heiratet. Sie waren also entfernt verwandt.

Todesscheine
Auf Grund des Duplikats des Sterberegisters der evangelischen Kirche zu Pillupönen wird hiermit bescheinigt, dass der Altsitzer Dawid Dobatis am 23.Januar 1829 im Alter von 80 Jahren zu Podschohnen gestorben ist.

Auf Grund des Totenregisters der aus der evangelischen Kirche ausgetretenen Personen [weil sie ihnen nicht altgläubig genug war] des Gerichtsbezirks Stallupönen wird hiermit bescheinigt, dass der Altsitzer Erdmann Dobat aus Pakalnischken am 18.Mai 1855 an Altersschwäche im 67. Lebensjahr verstorben ist.

Auf Grund des Duplikats des Sterberegisters der evangelischen Kirche zu Pillupönen wird hiermit bescheinigt, dass die Altsitzerwitwe Aste Dobate geb. Didszuns am 15.September 1837 im Alter von 70 Jahren gestorben ist.

… dass More Dobate, geb. Rudate, Ehefrau des Wirthes Jerdmons Dobatis, am 3.Juni 1840 im Alter von 42 Jahren zu Podschohnen gestorben ist.

Geburts- und Taufschein
Auf Grund des Duplikats des Taufregisters der evangelischen Kirche zu Enzuhnen wird hiermit bescheinigt, dass Aste Skauradszuns, Tochter des Merczus Skauradszuns und der Aste geb. Kalczunute, am 17.August 1823 zu Pakalnischken geboren und am 18.August 1823 in der evangelischen Kirche zu Enzuhnen getauft ist.

Heiratsurkunde
Auf Grund des Duplikats des Copulationsregisters der evangelischen Kirche zu Enzuhnen wird hiermit bescheinigt, dass der Wirthssohn David Dobat, aus Podszohnen, 22 Jahre alt, die Aste Skauradszuns aus Pakalnischken, 19 Jahr alt, am 20.Januar 1843 geheiratet hat.

Totenschein
Auf Grund des Duplikats des Sterberegisters der evangelischen Kirche zu Enzuhnen wird hiermit bescheinigt, dass der Wirth Merczus Skauradszuns am 30.Mai 1842 im Alter von 50 Jahren zu Pakalnischken gestorben ist.

Geburtsschein
Auf Grund des Geburtsregisters der aus der Landeskirche ausgetretenen Personen des Gerichtskreises Stallupönen wird hiermit bescheinigt, dass Christoph Dobat, Sohn des Wirths David Dobat und seiner Ehefrau Aste geb. Skauradszuns am 24.April 1856 zu Podschohnen geboren ist.
Stallupönen, März 1935
Preuss. Amtsgericht

Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,
in Pillkallen ist es umgekehrt.
Wer von Pillkallen kommt unbekneipt,
von Stallupönen unbeweibt
und von Gumbinnen ungeschlagen,
der kann von großem Glücke sagen.
(Und wenn er nich aus Dumlischken stammt!
Podszohnen ist von den Russen ausradiert worden.)

Otto-Lina-Mila-Meta-Rudi

Otto Skeverzun, Lina Dobat, Mila Jautelat, Meta Dobat, Rudi Jautelat

undatierte Karte „PRVSSIA“ von Gasparo Henneberg Erlichensi (1529-1600)

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Ein Gedanke zu „Wir aus dem Osten

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