Herrlich große Zeit

Mein Vater Hans Dobat wird Erbe der Kalweits. Als ebenbürtiger Ministerialbeamter in Hannover (die restlichen Verwandten sind überwiegend Bauern) hatte er bis zu ihrem Ende mehr oder weniger engen Kontakt zu ihnen – was sich in verschiedenen Fassungen des Testaments wiederspiegelt (Das Gleiche spielt sich dann bei seiner Testaments-Abfassung bezüglich mir als Erben ab.). Das Haus in der Brehmstr. 37, in das wir 1968 einziehen, wirkt wie ein Museum, in dem die Zeit zu Beginn des 20.Jahrhunderts stehengeblieben ist. Halbschwester Marthas und Teilerbin Lina Becker wirft beim Aufräumen alles weg, was unmodern ist, und auch mein Vater kommt nie dazu, das wertvolle Material wirklich zu sichten und zu bewahren. Eine dreieckige Butze unter einer Treppe finde ich gefüllt mit Fotos, Briefen, Postkarten, Zeitschriften und Büchern, die ich noch schnell nach Interessantem durchwühle, bevor alles abgefahren und vernichtet wird.

Adolf

„Unsere Verehrung für den Führer und seine getreuen Mitarbeiter bezeugen wir, indem wir sie alle, wo es auch sei, an den Wänden aufhängen.“

Vor meiner Auswanderung mußte ich vieles, was ich aufbewahrt hatte, verkaufen. Dabei stellte ich fest, daß alte Postkarten, Zeitschriften und Militaria teilweise zu absurden Preisen gehandelt werden – wenn man den Wert kennt (etwa von diesem DIN A3-Adolf, den es wahrscheinlich zu oft in deutschen Stuben gab). Hätte damals die Möglichkeit bestanden, hätte ich wenigstens mehr ins Internet gestellt.
Einige handschriftliche Auszüge meines Vaters sind mir erhalten, die ihm in alten Briefen einer Erika (?) an Martha Kalweit aufgefallen sind:
24.3.1931: Hoffnungen auf Hitler
2.3.1935: Eheprobleme, Rassenfrage
28.9.1938: „Nachdem nunmehr die 4 Staatsmänner zusammenkommen
[Münchner Abkommen], bin ich der festen Überzeugung, daß eine friedliche Lösung möglich sein wird. Denn, daß der Führer als Frontsoldat keinen Weltkrieg haben möchte, ist doch selbstverständlich. Auf ihn kann man sich blindlings verlassen. Er wird es schon richtig machen.“
10.4.1939: „Leben wir nicht in einer herrlichen großen Zeit? Kann man nicht glücklich sein, das alles miterleben zu dürfen? Wie stolz können wir auf unseren Führer sein! Wenn es jetzt auch manchmal brenzlich aussieht, der Führer wird die Sache schon machen.“

Adolf-fuer-Graphologen

Und was sagt der Graphologe dazu? Geht es am Ende zu stark abwärts?

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Ein Gedanke zu „Herrlich große Zeit

  1. Wobei, hab ich heut im Spiegel über so einen geschassten amerikanischen Superagenten gelesen, “Im Land der Schatten wird die Wahrheit zur Lüge!!”

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