Kein Woher, kein Wohin

New-South-Wales

Woher kommt mein Leben?
Wohin wird es enden?
In meiner Hütte sitz‘ ich allein
Und sinne ruhevoll, doch mit Ernst.
Mit all meinem Denken weiß ich kein Woher,
Noch irgendein Wohin zu ersinnen.
So ist auch meine Gegenwart
Ewiger Wechsel – alles ist Leere!
In dieser Leere schwebt das Ich eine Weile
Mit seinem Ja und seinem Nein.
Ich weiß nicht, wohin mit Ja oder Nein –
So treib‘ ich im Karma dahin, vollkommen befriedet.

Die Vergangenheit ist schon vorüber,
Das Zukünftige ist noch nicht da,
In der Gegenwart ist keine Heimat,
Alles wandelt sich immer, nirgends ist fester Halt.
Namen und Worte sind selbstgeschaffne Verwirrung –
Was vergeudest du so dein Leben müßig den Tag lang?
Gib deine alt-vermoderten Ansichten auf,
Laß deine neumodischen Einbildungen fahren!
Ehrlich ganzen Herzens forsch und spiegle
dich in dir selber!
Bis der Augenblick kommt, da kein Forschen
ferner mehr möglich,
Denn dies ist die Zeit, da du siehst, daß all dein
Leben ein Wahn gewesen.

Ryokwan oder Ryōkan Daigu (1758-1831), japanischer Zen-Mönch, Mondsüchtiger, Narr und Dichter, lebte als Einsiedler auf dem Berg Kugami.

Ryokwan

Foto: Peter Luck

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s