Metaphysik

Metaphysik

„Es gibt wenig auf dieser Welt, was so uneingeschränkt als böse und vernichtenswert gelten darf, wie die Fiktion einer Sache, die künstlich gemacht ist, um Verehrung und Begeisterung auszulösen, und es gibt wenig, was so zwerchfellerschütternd komisch wirkt, wie ihre plötzliche Entlarvung … die Religion der Zukunft werde sich zu erheblichem Teile auf eine höher entwickelte, subtile Form des Humors gründen.“
Konrad Lorenz, „Das sogenannte Böse“

Die Lalat halten Gottes-Vorstellungen für vernunftwidrig, da sie über etwas, das gröβer als sie selbst und unfaβbar ist, nicht nach ihren eigenen Vorstellungen phantasieren mögen. Sie stellen sich lediglich eine Art geistigen Überbau vor, der spiegelbildlich aus dem entsteht, was sie in ihrer Kultur tun. Volkstümliche Darstellungen zeigen Rezeptoren, die die geistigen Vorgänge der Lalat aufsaugen. Ihre Clown-Priester haben dabei die Funktion, sie an die Lächerlichkeit konkret metaphysischer Spekulationen zu erinnern, ebenso wie stellenweise zu findende Kultobjekte nicht der Anbetung dienen, sondern der Erinnerung und Warnung vor den gewaltigen Gefahren, die den Lalat ständig drohen. Ansonsten ist es Aufgabe der Clowns, die Lalat zu erheitern und vor Melancholie und Depression zu bewahren, zwei psychische Zustände, die anscheinend in Folge ihrer geringen Gröβe und des Gefühls der Machtlosigkeit häufig ausgelöst werden – obwohl nichts an sich groβ oder klein ist, sondern nur im Verhältnis zur Umgebung.

Advertisements

16 Gedanken zu „Metaphysik

  1. Interessant ist solch eine Kultur durchaus, dennoch wäre sie nichts für mich … Zu kultisch und dennoch (nahezu) inhaltslos. Außerdem mag ich keine Clowns.

  2. Ich auch nich. Sie sind mir zu unernst. Aba daß die Kultur der Lalat inhaltslos sei, muß ich doch hier stellvertretend dementieren. Ich habe ja gerade erst angefangen, die klitzekleinen, jedoch vielseitigen Facetten ihrer Kultur darzustellen. Außerdem ARBEITEN diese Leute ja, anstatt wie wir vor Bildschirmen zu sitzen und Knöpfchen zu drücken.

  3. Normalerweise bekommt man ja von dem, was kleiner als 2cm iss, auch nix mit – außer wenn es irgendwo juckt oda beißt.

  4. Also ist ihre Arbeit ihre Kultur? Oder zumindest ein Teil davon? (Ich mache übrigens auch mehr, als nur vor meinem PC zu sitzen. – Und das sogar hin und wieder draußen, im Sonnenlicht! Stelln Se sich das ma vor!)
    Und die bisher vorgestellten Facetten finde ich trotzdem mehr oder weniger inhaltslos. Oder sage ich lieber „inhaltsfern“, denn immerhin befassen sich die Lalat mit dem Humor und „Metaphysik“. Denn diese Aspekte können doch kaum richtungsweisend sein, gerade im Alltag oder bei der Arbeit.

  5. Ja, denn Kultur kommt von lat. cultus = Bearbeitung, Anbau. Und Alltag ohne Humor und Metaphysik? Was für eine grauenhafte Vorstellung!
    Hamse ma n bißken Geduld mit mir! Rileks wurde ja auch nich an einem Tag erbaut!

  6. Hmm … Ja, bei der Sache mit dem Humor gebe ich Ihnen Recht, auch wenn für mich Humor keine „Leitlinie“, sondern eher etwas spontanes, nettes für „zwischendurch“ ist. Aber Metaphysik … Ich weiß nicht. – Ich muss auch sagen, dass ich mich noch nicht allzu umfassend mit Metaphysik beschäftigt habe. Aber bisher verbinde ich mit der Kombination „Metaphysik-Alltag“ so etwas wie Gott, Religionen, die Unendlichkeit, die „Seele“ oder ähnliches. … Meiner Meinung nach existiert jedoch – abgesehen von der Unendlichkeit – nicht eine dieser Sachen bzw. „Sachverhalte“. Und mein Alltag war bis jetzt nicht viel grauenvoller, als der anderer Menschen, glaube ich.

  7. Na, da sind wir doch völlich einer Meinung, Herr Jonas IV.. Deshalb kann man es ja auch nich studieren, weil es das ganich gibt. Ich verstehe auch nich, wie man sowas in der Schule unterrichten kann. Wir können uns halt nur mit den Vorstellungen anderer Völker – ob groß oda klein – auseinandersetzen und natürlich darüber philosophieren, was man tun soll und was lieba nich.
    Allerdings versteh ich ganich, was Sie mit Alltag meinen. Leben Sie verschiedene Leben an verschiedenen Tagen?

  8. Sagt Ihnen das Wort „Alltag“ wirklich nichts? Selbstverständlich meine ich nicht verschiedene Leben an verschiedenen Tagen. Es gibt aber verschiedene Tage (bzw. Zeiten) in einem Leben. Und die Tage, an denen man nichts aufregendes erlebt; die einem nicht lange im Gedächtnis bleiben, sondern sich in ihren Abläufen zu wiederholen scheinen, die nennt man zusammengefasst „Alltag“. Häufig sind das Schul- oder Arbeitstage.
    Und ich habe mich nur etwas gewundert, weil Sie schrieben „Alltag ohne Humor und Metaphysik“ sei „eine grauenhafte Vorstellung“. – Bei Humor mag das vielleicht zutreffen, aber da wir beide nicht glauben, dass Metaphysik existiert, finde ich es verwunderlich, warum unser Alltag dann grauenhaft sein sollte. … Aber anscheinend bin ich zu spitzfindig oder Sie haben sich ein wenig „verhaspelt“. – Was natürlich beides nicht furchtbar wäre! : )

  9. Also die Lalat glauben nicht – und da bin ich völlig konform – daß es verschiedene Tage oder z.B. schöne Wochenenden gibt. Deshalb grüßen sie auch niemanden in der Weise. Sie leben synchron mit der Natur, was bedeutet, der Tagesablauf wird durch Licht strukturiert (hier entfallen sogar die Jahreszeiten). Arbeit findet immer statt, wenn sie dazu in der Lage sind. Sie kennen keine Blauen Montage, fleischfreie Freitage oder ein Bad am Samstag. Deshalb erscheinen sie insgesamt glücklicher und fröhlicher, weil sie das angenehme Lebensgefühl nicht vertagen. Metaphysik gehört in dem Sinne dazu, daß sie sich Vorstellungen über ihr rein materielles Leben machen, an denen sie sich orientieren. Aber nicht irgendwelche lächerlichen rituellen Vorschriften wie, Freitag Nachmittag, 5x am Tag oder Sonntag Vormittag Kulträume aufzusuchen. Ich stell mir das wirklich unangenehm vor, einen Teil meiner Tage wie im Bunker zu verbringen und nur an, womöglich von anderen festgesetzten, bewußt und vergnügt zu leben. Dazu muß natürlich Arbeit so organisiert sein, daß sie auch Spaß macht.

  10. Es wäre schön, wenn ich jeden Tag auch so angehen könnte, wie es die Lalat tun. Und ich beneide Sie, wenn Sie das können. Aber ich lebe (noch?) in einer europäischen Gesellschaft, die die Tage, Wochen, Monate und Jahre, sowie Feiertage vorstrukturiert hat. Und Sie haben Recht – das ist nicht immer angenehm.

  11. Hier gehen z.B. die Moslems am Freitag in die Moschee, die Adventisten am Sonnabend in die Kirche und die Protestanten am Sonntag. Das gibt zu denken und ein ziemliches Durcheinander.

  12. Aber nicht nur Religionen erschaffen derzeit unbequeme Strukturen in der Zeit-Einteilung, denke ich. … Letztendlich scheinen die Gläubigen diese Einschränkungen als angemessen finden, für das, was sie dadurch erleben. Es ist ja in den allermeisten Fällen so, dass gläubige Menschen sich gerne irgendwelchen Regularien unterwerfen.

  13. Stärker wird das Leben durch die Arbeitswelt strukturiert, wo Wach-, Essens-, Schlaf- und Erholungszeiten exakt eingehalten werden müssen, ohne daß sie dem inneren oder einem natürlichen Rhythmus entsprechen.
    Man muß jedoch sehr vorsichtig sein mit der Zeitlosigkeit, weil Orientierungslosigkeit und Verlust des Zeitgefühls oft ein Symptom für Wahnsinn sind. In der Tat würden viele Menschen ohne Leine ins Trudeln kommen.

  14. Ja, da haben Sie wahrlich Recht. – Wie bei so vielen Sachen ist auch hier ein Personen-spezifisches „goldenes“ Mittelmaß angebracht. Wenigstens der Schlafrhythmus und eine regelmäßige Einnahme von Lebensmitteln sollten an nicht allzu variierenden Zeiten stattfinden. Schon aus rein gesundheitlichen Gründen. … Wie Sie eben sagten: der „innere oder natürliche Rhythmus“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s