Airfix

airfix-japanese-infantry

… Nach dem Urerlebnis des 1957 gedrehten Films „Die Brücke am Kwai“ pfiff ich lange den Marsch der stolzen Engländer und spielte mit winzigen „Airfix“-Plastikfiguren später die Angelegenheit nach. Die Japaner, die noch in Verkleinerung fies aussahen, schienen – verglichen mit den Amerikanern, mit denen ich sie auf ausufernden, selbstgebastelten Schlachtfeldern herumtollen lieβ – wie mit falschem Maβstab gepreβt. Vielleicht hatte sich die englische Firma aber bei den dunkel khakigrün glänzenden Amerikanern vertan, denn die waren mitsamt ihrem Arsenal deutlich gröβer. Auch besaβen sie ein Schlauchboot, was aber nur selten zum Einsatz kam, da ein Fluβ zu viel Platz verbrauchte. Ursprünglich raumgreifende Haltungen wirkten bei diesen Figürchen eigentümlich an die Wand geklatscht. Zwanghafte Folge der Begrenztheit von Preβformen. Später erkannte ich hieran die Vorbilder der Heldendenkmäler des indonesischen Realismus wieder – Spielzeugsoldaten! Damit in ihrer sinnlich, bildlichen Gestalt über sich selbst hinausweisend auf die tatsächliche ideelle Aufgabe des Soldaten: Spielzeug zu sein für die Vorstellungen anderer Leute.
Die Japaner wiesen vorwiegend stürmerische Positionen auf. 2 Offiziere, mit gezogenem und in den Himmel gerecktem Samurai-Schwert, und die einfachen Soldaten – sogar in stürzender Haltung – liefen chronisch in den programmierten Tod, ganz cool niedergemetzelt von den eher überlegen wirkenden U.S. Marines. Besonders der japanische Fahnenträger, dessen Kriegsflagge ich eigenhändig rot und weiβ bemalt hatte, kippte wegen Gleichgewichts-Störungen meist schon vorzeitig und haute dabei einen Teil der Infanterie gleich mit um.

Western-Diorama

Während ich mit deutschen und russischen Miniatursoldaten stellenweise korrigierend in die Weltgeschichte eingriff und mich auch gerne am amerikanischen Bürgerkrieg beteiligte, spielten meine Klassenkameraden schon längst mit Mädchen. Ich dagegen beschnitt mit einer feinen Nagelschere die unsauberen Preßnähte – wobei man aufpassen mußte, den Soldaten nicht die Gewehrmündung oder den Säbel zu verkürzen – und bemalte die Figuren mit spitzem Pinsel. Ein Spätentwickler, wie man munkelte. Anscheinend existierte ein Zeitplan, den ich nicht einhielt.

High-Chaparral

High Chaparral

aus „Unter Hundefressern“, V. Aaltje bei den Weiβen

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2 Gedanken zu „Airfix

  1. Pingback: executed national hero | UNGEMALTES

  2. Pingback: Feuer im Fort | Memoiren eines Waldschrats

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