Wunschzettel

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… Am meisten erreicht man, wenn man den Lustgewinn aus den Quellen psychischer und intellektueller Arbeit genügend zu erhöhen versteht. … Wenn schon bei diesem Verfahren die Absicht deutlich wird, sich von der Auβenwelt unabhängig zu machen, indem man seine Befriedigung in inneren, psychischen Vorgängen sucht, so treten die gleichen Züge noch stärker bei dem nächsten hervor. Hier wird der Zusammenhang mit der Realität noch mehr gelockert, die Befriedigung wird aus Illusion gewonnen, die man als solche erkennt, ohne sich durch deren Abweichung von der Wirklichkeit im Genuβ stören zu lassen. Das Gebiet, aus dem diese Illusionen stammen, ist das des Phantasie-Lebens; es wurde seinerzeit, als sich die Entwicklung des Realitätssinnes vollzog, ausdrücklich den Ansprüchen der Realitätsprüfung entzogen und blieb für die Erfüllung schwer durchsetzbarer Wünsche bestimmt. Obenan unter diesen Phantasie-Befriedigungen steht der Genuβ von Werken der Kunst, der auch dem nicht selbst Schöpferischen durch die Vermittlung des Künstlers zugänglich gemacht wird. Wer für den Einfluβ der Kunst empfänglich ist, weiβ ihn als Lustquelle und Lebenströstung nicht hoch genug einzuschätzen. Doch vermag die milde Narkose, in die uns die Kunst versetzt, nicht mehr als eine flüchtige Entrückung aus den Nöten des Lebens herbeizuführen und ist nicht stark genug, um reales Elend vergessen zu machen.
Energischer und gründlicher geht ein anderes Verfahren vor, das den einzigen Feind in der Realität erblickt, die die Quelle des Leids ist, mit der sich nicht leben läβt, mit der man darum alle Beziehungen abrechen muβ, wenn man in irgendeinem Sinne glücklich sein will. Der Eremit kehrt dieser Welt den Rücken, er will nichts mit ihr zu schaffen haben. … Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daβ eine gröβere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschen kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Sigmund Freud, „Das Unbehagen in der Kultur

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2 Gedanken zu „Wunschzettel

  1. RELIGIONEN SIND UNGEFÄHRLICH, SOLANGE MAN NICHT AN SIE GLAUBT!
    YOKO ONO – MIT GRUß VON UP

  2. Gerade in Hameln hat man da ja so einschlägige Erfahrung gemacht.
    Für die, die nicht an sie glauben, können Religionen durchaus gefährlich werden. Hätte Yoko Ono in Indonesien gelebt, hätte sie das SO nich gesagt.

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