Ameisen-Brüder

Nautilus3

Lew Nikolajewitsch Tolstojs ältester Bruder vertraute als 10jähriger den Geschwistern an, er wisse ein Geheimnis, das auf einen grünen Stock geschrieben sei, den er im Wald vergraben habe, und das darin bestände, wie man alle Menschen zu „Ameisen-Brüdern“ bekehren und damit für immer glücklich machen könne. Anscheinend hatte der Junge von den „Mährischen Brüdern“ erfahren und das russische Wort „moravskij“ (mährisch) mit „muravéj“ (Ameise) verwechselt. Die Kinder erfanden sogar ein eigenes Spiel, wobei sie so eng wie möglich aneinander gedrängt unter Stühlen zu hocken pflegten. „Diese Stühle waren mit Shawls verhängt und mit Kissen verbarrikadiert, und wir sagten, wir wären ‚Ameisenbrüder‘ und fühlten deshalb eine besondere Zärtlichkeit für einander.“

„Es amüsiert mich, mir die Art und Weise wieder vorzustellen, in der ich früher dachte, und in der Du zu denken scheinst, daß man sich nämlich eine glückliche und ehrsame kleine Welt für sich selbst einrichten könnte und darin ruhig, ohne Irrtümer, ohne Reue, ohne Verwirrung leben und seine Dinge ohne Eile betreiben, jedes so wie es sein soll, und alle zum guten Ende. Das ist lächerlich! Es geht nicht, Omachen! Ebensowenig wie man gesund bleiben kann ohne physische Übung. Um anständig zu leben, soll man sich selbst anstrengen, verstrickt werden, ringen und kämpfen, Fehler machen, anfangen und aufgeben, wieder beginnen und aufgeben, und ständig kämpfen und sich selbst berauben. Friede und Ruhe ist nichts weiter als Niedrigkeit der Seele.“ (1857)

Quelle: Janko Lavrin, „Tolstoj“, 1975

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s