Nilpferd versus MG

Nuschke-MG

Lineol ist eine 1906 gegründete Firma für Massefiguren, die immer noch existiert. Im Gegensatz zur Masse des Mitbewerbers Elastolin enthält Lineol auch Leinöl und Baum-Harz. Ein hoher Detaillierungsgrad war verantwortlich für den schnellen Erfolg der Figuren. Die Tiere des Berliner Zoos dienten als Vorbilder für die Wildtiere, u.a. für Nilpferd Knautschke. Neben den Massefiguren produzierte Lineol qualitativ hochwertige Blech-Spielzeuge. Die Figuren waren in unterschiedlichen Maßstäben bzw. Größen (von 17 cm bis 4 cm) erhältlich, wobei sich über die Jahre die Figuren-Größen von 7,5 cm durchsetzten. Die Massefiguren von Lineol sind durch einen rechteckigen Sockel leicht von den Figuren der Firma Hausser (Markenname Elastolin) zu unterscheiden.“

Ich besaß niemals komplette Kollektionen dieser Figuren, meine Spielkameraden hatten dagegen entweder gar keine oder gewaltige Mengen. Das lag einmal daran, daß meine Eltern und Großeltern durch Krieg und Flucht alles verloren hatten, und die Anfangs-Gehälter für Beamte äußerst mickrig waren, Geld somit knapp. Dagegen kämpften in den Spielzimmern des Kernlandes immer noch die alten Lineol-Armeen, und bei Kalweits in Hannover fand ich später sogar Zinnsoldaten. So kam ich nur bei anderen in Kontakt mit den inzwischen verbotenen Reichswehr-Figuren, die mich stärker beeindruckten als meine armseligen Indianer, zumal sie oft mit Blechfahrzeugen und –Kanonen ausgerüstet waren. Gelegentlich hatte ich sogar noch Hindenburg im Griff, während man die kleinen Hitler-Figuren eleminiert hatte.

Nazi-Yoga

Eltern schenken ja oft das, was sie selber nett finden, und so kam ich in den Besitz des Lineol-Nilpferdes, das bei uns jedoch „Nuschke“ hieß (vielleicht die ostpreußische Version). Was kann man mit einem Nilpferd spielen? Keiner meiner Indianer konnte darauf reiten, allenfalls eignete es sich, um den Gegner platt zu trampeln, was dann zu den Masse-Brüchen führte. Mein Spielkamerad in Hildesheim, Rolf Heißler, besaß sogar den ganzen Zoo inklusive Gittern. Eindrucksvoll, aber auf die Dauer langweilig. Hatte man die Tiere hinter Gittern, standen sie nur rum und fraßen nicht. Vielleicht trug das mit dazu bei, daß Rolf später solch ein starkes Bedürfnis verspürte, andere Leute umzubringen. Bei mir geschah das nur kathartisch im Spiel, in dem keine Bank-Überfälle vorkamen. Erst etliche Jahrzehnte danach gelang es mir, Nilpferde sinnvoll einzusetzen: Im wunderschönen PC-Game „Pharao“ kann man sie mit dem Cheat „Hippo Stomp“ dazu bringen, Amok zu laufen und Ägypter zu beißen.

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