Wenn Schrate aufgeben

sod-house-Nebraska-1886

Soden-Haus, Nebraska , 1886

Als George Abernathy 1959 von der Marine pensioniert wurde, begann er, zusammen mit seiner Frau Nell ein Haus aus Felsgestein und Kiefernholz in einem Waldgebiet nahe Oroville, Californien zu bauen. 20 Jahre später boten sie das Haus zum Verkauf an um wieder in die Stadt zu ziehen, obwohl sie durchaus in der Lage waren, die schweren Winter zu überstehen:

„But that is the principal reason, that age creepeth upon us, and then too – social comment, I hate to make it – but there are only the two of us and we’ve told one another what each one knows and believes several times over again; we have no intellectual companionship … a person in isolation, especially one who has developed any sort of intellectual complexity needs nexuses outward always, through which he gets nourishment from others of like ambience, so to speak. A person is a constellation of communication relationships and if you don’t get nourishment through those channels of communication now and then you starve to death … I might go back and be a relief teacher at the San Francisco Institute of Fine Arts, or perhaps get interested in city politics … sanctuaries are one thing, but complete satisfaction for all our needs may not be provided in a sanctuary. You can only take so big a dose of contemplative life … You can ask nature for only so much and she demands so much from you and they [other young couples] didn’t know how or couldn’t allocate sufficient time to live under these so-called primitive circumstances.”
„You were almost 60 years old when you started?”
„Yeah, that was about it. I’m 75 now …”
„Not very many people start building a house at that age. Do you have any secrets as to your good health?”
„No, I suppose I’m pig-headed and opinionated and contentious. Just between me and thee. When I went on the retired list I was full of anger and frustration at the way things were going and I’d heard somewhere that the best palliative for that sort of thing was to do a hard piece of work.”

Nell-George-Abernathy

Quelle: “Shelter II”, California, 1978

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5 Gedanken zu „Wenn Schrate aufgeben

  1. „no intellectual companionship“ oder zuwenig davon ist sicher ein stärkerer Beweggrund zum Aufgeben, als all die Mühe einer Lebensweise, die für den Alltag mehr den Körper verlangt als den Geist, die den andererseits aber ständig zum Nachdenken anregt.
    Es gibt sicher kaum frustriierendere Sätze auf Dialogversuche als „Wie meinst du das?“ oder „Überlasse das Gott“, während andererseits ein hoher Redebedarf besteht… die meisten Frauen brauchen etwas, das ich als „Plappergelsellschaft“ beschreiben würde, was ein üblicher Mann unmöglich leisten kann. Ich denke, die beiden sind davor davongelaufen, sich in der Einsamkeit die menschliche Verkargung übel nehmen zu müssen und sich am Ende zu hassen dafür.

  2. Du kennst Dich da anscheinend aus! „Plappergesellschaft“ – heutzutage auch „Twitter“ genannt – oh ja, leider! Ich meine, daß man sich irgendwann alles erzählt haben wird, weiß man doch von vornherein. Das Problem scheint mir da zu beginnen, wo sich die innere Leere eines Partners oder beider durch eine naturnahe Lebensweise nich mehr füllt. Und sich dann wie ein Broker ans Handphone zu klammern – nee, nich mit mir.

  3. Manche Menschen fangen lieber immer wieder bei Fremden mit ihren Lieblings-Filetstückchen der Biographie neu an, um sich nicht verändern zu müssen – das glaube ich eher. Eigentlich müsste es den Stillstand nicht geben. Ich glaube, man erstarrt immer nur aus Angst vor Umstürzen. Meinst du wirklich, das liegt am naturnahen Leben?

  4. Ich bin der Ansicht, daß es solch einen Stillstand nur dann gibt, wenn man falsche Erwartungen hat. Naturabläufe sind immer gleich und verändern sich dabei auch dauernd. Das macht sie unendlich interessant, und der Alterungs-Prozeß fügt sich da nahtlos ein. Wer Torschluß-Panik entwickelt und meint, in seinen 60ern gäbe es noch ein ganz neues Leben, der hat nichts wirklich begriffen und tatsächlich schon lange falsch gelebt. Außerdem gibt es ja jede Menge karge Städter, die im Netz der künstlichen Ablenkungen zappeln und von Beständigkeit träumen. Kurz gefaßt: Aufgeklärtes Bewußtsein oder „Erleuchtung“ wird nich langweilig. Falls doch, handelt es sich um Kino.

  5. Angst vor Veränderungen scheint für manche der Angst vor dem Tod zu ähneln und sogar noch darüber hinauszugehen.
    Natur mögen diese Menschen nur als eine Art „Touristen“, sie wollen sie nicht in ihrer Gesamtheit am eigenen Leibe empfinden müssen, sondern nur das ästhetisch und körperlich erllebbar Schöne.
    Sie haben Angst vor allem, was man sich nicht aussuchen kann, und dazu gehören weder einen offenen Bewußstseins-Prozess zu begrüßen noch gar überwältigende Erleuchtung, nicht bei sich und schon gar nicht beim anderen, dem geisitg zu folgen dann auf der Verständnisebene mit der üblichen Denkweise nahezu unmöglich wird.
    Man braucht schon eine erhebliche Gelassenheit und eine vagere, großräumigere Liebe zu Partner, Mitmensch und sich selbst, als der konservative Begriff von Miteinander zulässt.
    Du hast Recht: Die meisten wollen lieber Kino.

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