Nächtliche Wanderungen

„Allen Menschen ist es gegeben, sich selbst zu erkennen und klug zu sein.“

Der einzelgängerische Vorsokratiker Heraklit (550-480) – angeblich der erste Einsiedler auf europäischem Boden – entwickelte eine Philosophie des Wandels aller Dinge (panta rhei = alles fließt), ohne jene Einsicht als das einheitliche Grundprinzip aller Vielfalt eingestuft zu haben. Auch wenn wir nicht zweimal in denselben Fluß steigen können, so ist es eher die Einheit der Gegensätze, die aus ihrem nie endenden Kampf resultiert: „Krankheit läßt den Wert der Gesundheit erkennen. Das Böse den Wert des Guten. Hunger die Sättigung, Ermüdung den Wert der Ruhe.“ Jedes Ding bedarf zu seinem Sein seines Gegenteils. Das Ende der schöpferischen Spannungen bedeutet totalen Stillstand und Tod. Darum kann es gar nicht Ziel sein, ans Ende aller Wünsche zu kommen und die Hände in den Schoß zu legen. Dieser dialektischen Entwicklungs-Lehre folgte später Hegel, wobei die griechischen Philosophen jene als Kunst der Beweisführung ansahen. Nie zuvor wurde mit solcher Schärfe von der „Idiotie“ der Menschen gesprochen wie bei Heraklit. Diese Idioten wollen nicht erwachen sondern weiter bei den Illusionshändlern einkaufen, die keinerlei Interesse an der Bewahrung des Ganzen, der Gesellschaft, des Staates zeigen. Deshalb richtete sich sein schärfster Haß gegen die Schamanen, die „in der Nacht Umherwandernden“, die als asoziale Alogiker Dunkelheit verbreiten.

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