Fremde Schwiegertochter

vorm-Baum

Der Regisseur Fred Zinnemann (1907-97) stammte aus der amerikanischen Dokumentarfilm-Bewegung. In seinem Film „Teresa“ (1951) setzte er quasi-dokumentarische Zustandsschilderungen ein, die man als eine Art Neorealismus ansehen kann: Der junge Philip leidet unter der Bevormundung durch seine Mutter und versagt kläglich als Soldat in Italien. Seiner Mutter, die ganz bestimmte Vorstellungen von Philips zukünftiger Ehefrau hat, verheimlicht er die in Italien geschlossene Ehe mit Teresa. Als die Mutter zufälligerweise ein Hochzeitsfoto der beiden entdeckt, bekommt sie einen hysterischen Schreikrampf. Das hat mich besonders berührt, da ich nicht nur eine Mutter hatte, die sich nicht von mir lösen konnte, sondern die auch heftig reagierte, als sie sich durch meine Auswanderung von mir „verraten“ fühlte.
An den im folgenden Jahr von Zinnemann gedrehten Film „High Noon“ wurde ich durch meinen Aufenthalt in Indonesien und die dann folgenden Auseinandersetzungen immer wieder erinnert: der ewig ungelöste Konflikt zwischen dem verantwortungsbewußten Individuum und der feigen, korrupten Menge.

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