Einmal Indianer sein

fakeindian

Was auffällig viele Amerikaner – und ich kenne sogar welche – mit Bill Clinton und Johnny Cash gemeinsam haben? Sie sind indianischer Abstammung, so glauben und beteuern sie, auch wenn es niemand sonst glaubt. All of them have claimed to be part Cherokee, but none have been able to prove it. Not that any of these celebrities are unique in this regard. Rare is the Oklahoma family that doesn’t think it possesses at least one-sixteenth Cherokee blood.” Russell Cobb beschreibt in dem interessanten ArtikelWhy Do So Many People Pretend to Be Native American?”, wie der Bedarf an Indianern für Hollywood-Western falsche Indianer produzierte. Mit dem Wandel der amerikanischen Gesellschaft in den 60ern – der Western-Film reflektierte und verstärkte diesen Wandel – wurde es zunehmend chic, rassistische Positionen mit ihrem Gegenteil zu vertauschen. „Examining the motives of the Wannabes is a fraught subject, one where good intentions rub up against old racist habits and where narrative embroidery easily morphs into self-delusion.” Da reicht oftmals schon das Vorhandensein von hohen Backenknochen als Beweis. So paßten importierte indianische Schamanen in Bremen perfekt zur aufkommenden Esoterik-Szene in der kulturell orientierungslos grauen Bundesrepublik. „The tribe gave me a sense of identity and it carried some instant prestige when traveling abroad. Europeans love Indians, I discovered.” Und ist der falsche Indianer Jason Momoa (*1979 Honolulu) nicht das aktuelle Beispiel für die immer noch vorhandene Sehnsucht nach dem edlen Wilden, der harmonisch in die Natur integriert ist? „I felt good to be part Indian, as if I belonged to something big. Something noble, wise, and timeless.” Dabei eignete sich das gegenseitige Ausrotten der Stämme, schon bevor die Weißen eintrafen, in keiner Weise als Vorbild.
Entäuschend ist die Mitteilung Cobbs, der Western „A Man Called Horse“ (1970) mit Richard Harris, den ich bis hierhin als einen der besten des Genres angesehen hatte, weil er u.a. Werke der Maler George Catlin und Karl Bodmer authentisch umsetzt, sei eine ethnographische Collage aus Kulturen ganz verschiedenartiger Stämme.
Wie muß es da in der Gedankenwelt der heutigen Jugend aussehen, die sich schon rein quantitativ in viel stärkerem Maße den Produkten der Traum-Produzenten aussetzt, so daß kein Zwischenraum mehr bleibt, in dem man auf die Idee kommen könnte, die Außenwelt sei ein gigantischer Betrug, dem man nur im Wald entrinnt.

10 Gedanken zu „Einmal Indianer sein

  1. Das hat doch in Deutschland durchaus ein Pendant, wenn Menschen mit Neigung, sich auch historisch-familiengeschichtlich verorten zu wollen, sich erleichtert fühlen, sobald die bei ihrer Ahnenreihe auf jüdische Vorfahren stoßen. Das kollektive schlechte Gewissen produziert solche Versuche, sich ein Stück weit besser, weil nicht eindeutig auf seiten der Bösen fühlen zu wollen.

  2. Jason Momoa ist kein falscher Indianer, er hat von seiner Mutter Coni’s Seite her genauso indianische Wurzeln wie er auch von ihr deutsche Wurzeln hat. Von seines Vater’s Seite ist er 100% native, allerdings native Hawaiian.

  3. Eben! Darum geht es ja, um die 1/16 und noch weniger sichtbaren Wurzeln. Die Leute picken sich heraus, was gerade in ist. Da könnte er ja auch genauso gut als Deutscher auftreten. Ich bin dann wahlweise Litauer, Franzose oder Österreicher. Ich kenne eine Amerikanerin, angeblich indianischer Abstammung, die jetzt irisch oder norwegisch ist. Und ein 50% Hawaiianer ist kein nordamerikanischer Indianer. Ich dagegen bin 100% Ostpreuße und beanspruche Land, das völkerrechtswidrig von Russen besetzt ist.

  4. Ich weiss immer noch nicht, was du willst.
    Ist das, was er mit seinem Film errreichen will weniger wert, weil er „nur“ zu einem kleinen Prozentsatz native american ist ???
    Eine wichtige Botschaft seines Films ist es doch, auf die Ungerechtigkeit des amerikanischen Gerichtssystem hinzuweisen. Deiner Ansicht nach darf dies dann in der Art nur ein 100% iger „Indianer“, dann würde es wohl kaum so einen Film geben, denn diese Schauspieler sind rar gesäht, und dann bräuchten sie ja erst einmal die entsprechenden Beziehungen, das Kleingeld . . . um so einen Film auf die Beine zu stellen.
    Du meinst also, es wäre besser nicht auf eine Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, nur weil meine Abstammung nicht 100% richtig ist. Dann würde sich ja nie was ändern.
    Wie viel Indianer muss man für dich denn dann sein, um noch einen Indianer spielen zu dürfen ? Vielleicht gibt es dann gar keinen aktuellen Schauspieler mehr, der in Frage kommen würde, denn wie viele 100%ige Indianer gibt es denn ?
    Eines kann ich dir verraten, auch wenn Jason vielleicht nur zu weniger als 10% Indianer ist, er und alle die bisher darauf hingearbeitet, haben vor etwa 4 Wochen erreicht, dass an dieser Ungerechtigkeit etwas geändert wurde. Und das ist doch das wichtigste.

    Was denkst du, zu wieviel % Tom Cruise Deutscher ist ? Und doch hat er Claus Stauffenberg in Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat gespielt.

    Hoffentlich sind Jason’s 50 % hawaiianische Wurzeln genug für dich um seinen nächsten Film über einen 100 % native Hawaiian zu spielen, sonst kannst du jetzt schon beginnen, den nächsten Artikel zu schreiben. Der Film käme dann nie zu stande, denn 100 % Hawaiianer sind kaum noch zu finden.

    Und Jason Momoa könnte seine Schauspielerkarriere vergessen, denn eine 100% ige Rolle zu seiner Abstammung wird es wohl kaum geben, ausser er schreibt sie selbst.

    Und etwas hab ich noch ganz vergessen, Filme wie Star Wars, Star Treck, Hobbits, Herr der Ringe, Serien wie Game of Thrones oder Stargate Atlantis dürften dann nie verfilmt werden, denn den Schauspieler, der das dann spielen darf, den musst du mir dann mal zeigen. In zweien davon hat Jason mitgespielt😉
    Noch zwei Artikel mehr für dich zu verfassen.

  5. Vergiss dann aber auch nicht auf jeden Fall Filme wie

    Guardians of the Galaxy und den neuen Batman vs Superman Film Dawn of Justice im Kino zu meiden, denn Vin Diesel hat 0 % „bäumische“ Wurzeln und Ben Affleck hat genausowenig mit ner Fledermaus zu tun, wie Henry Cavill fliegen kann. Jetzt kann ich nur noch hoffen, die Gerüchte dass Jason Momoa Aquaman spielen soll Bewahrheiten sich nicht.

  6. Das hoffe ich auch. Solche Filme brauch ich nich vergessen, weil ich sie mir ganich erst ansehe.

  7. Das ist ein Mißverständnis! Ich kann unterscheiden zwischen einem Schauspieler und seiner Rolle und einem, der sein Leben schauspielert. Im amerikanischen Film konnte man die Entwicklung von schwarz oder braun angemalten Schauspielern zum Einsatz echter Neger und Indianer beobachten, und ich habe mehr Realismus im Film immer begrüßt. Für den Film „Road to Paloma“, der mir sehr gut gefallen hat, würde das bedeuten: Die dort zu betrachtenden echten Indianer sehen ziemlich trostlos aus. Mußte man deshalb einen falschen einsetzen? Die schönsten Wilden sind ja meist die gemischten. Ist übrigens genug Geld da, um realistischere Filme zu drehen. Was fehlt, ist das Publikum. Gute Filme müssen mit schlechten finanziert werden. Das ist im Verlagswesen nicht anders. Und eigentlich ist ein reiner Phantasie-Film ehrlicher als einer, der nur so tut, als ob er Wirklichkeit zeigt.

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