Input in die Lerner

frankfurter-Frage

Da habe ich doch schon mehr als 1 Jahrzehnt Pädagogik verpaßt. Kein Wunder, daß mich die Publikationen der Deutschen Botschaft in Singapore (jetz wieder) interessierten. Im Warteraum machten sogar die asiatischen Mütter „PSST!“ zu ihren Babys. So etwas kann man hier einfach nich erleben. Die lieben Kleinen gehen in Wartezimmern und Restaurants geräuschvoll mit Schuhen über Tische und Bänke, deren Mütter glotzen in ihre Handphones und tun so, als ob sie nich dazugehörn. Bloß die kleinen Monster nich frustrieren, sonst schreien sie noch mehr.
Also wie war das denn nun mit dem Beginn des Sprach-Unterrichts möglichst schon an der Mutterbrust? Was sagten die „kleinen Lehrer“ dazu? Und wieso waren die klein? Nachdem ich meine Lesebrille zurechtgerückt, bemerkte ich meinen Lesefehler: „Lerner“ waren gemeint! Iss „Schüler“ politisch nich mehr korrekt? Hatten etwa die Nazis das Wort verwendet? Jedenfalls waren einige Lehrer offensichtlich frustriert vom frühen „Input“. Anstatt früher Zwei- gab es nun „doppelte Halbsprachigkeit“?
Das schöne an der Pädagogik iss ja, daß sie mindestens alle 10-20 Jahre neu erfunden wird, meist von Professoren, die letztlich erfolgreich aus der Schule geflohen sind. Und latürnich iss die Lehrer-Ausbildung an den Unversitäten seit dem frühen Mittelalter völlich unzureichend und muß „dringend“ reformiert werden, kritisieren Professoren, die völlich unzureichend ausgebildet worden sind, ohne reformiert worden zu sein. Jedoch wissen sie, was der Lehrer zu sein hat: Ein Vorbild! Eine in sich ruhende Persönlichkeit mit Austrahlungskraft und Glaubwürdigkeit. Also genau so einer wie ich. Auch feinfühlig im Umgang mit Kindern. Iss doch selbstverständlich. Zusätzlich sollte er wissen, wie man guten und effektiven Unterricht macht. Ich hab das nie gewußt. Eigenartigerweise fehlt das realistische Bild des „Lerners“ in den Artikeln. Sollte er zumindest anwesend und ausgeschlafen sein? Wären das nich wesentlichere Grundvoraussetzungen für erfolgreichen Unterricht als die perfekte Lehrer-Persönlichkeit? „Weg von den 45min“! Da war’n wir nie. Bis alle Lerner eintrudeln sind schon 5min wech. Auch bis sich so mancher Kollege von der Kaffee-Tasse im Lehrerzimmer gelöst hat. Anwesenheit feststellen. Wieda 5 wech. Und bevor man zum Finale kommt, packen die Lerner schon ein. Die ideale Lehrer-Persönlichkeit ist Show-Master. So eine Art Houdini. Ich kannte mindestens einen. Wollte ich nie sein. Fand ich einfach unseriös, weil sich Bildung von Gaukelei fundamental unterscheidet. Angeblich besonders effektiv täglich fächerübergreifend nur 1 Thema: „Wir bauen 1 Pyramide“. Auch in der singularen Form als Projekttag. Was’n Horror! Methodik als Didaktik. Die Form bestimmt den Inhalt in Konkurrenz zum TV. Und was bauen wir morgen? Historisches Nacheinander nich mehr gefragt. Der Lerner will Appetit-Häppchen, sonst lernt er nich. Jahrhundertelang hat niemand was effektiv gelernt. Deshalb gab’s ja auch keinen Fortschritt und nur unglückliche Menschen. Mit mehr Spaß wird das jetz anders! Kindergarten-Pflicht und verbindliche Vorschul-Erziehung fordert ein Sozi. Das Rumtransportieren der Lerner als Lebens-Programm. Wer zuhause bleibt, kommt bei der Einschulung nich mehr mit. Wer seinen Kindern nich die volle Show bietet, wird nich geliebt. Ich kannte eine dieser stark in sich ruhenden Persönlichkeiten. Wurde als der langweiligste Lehrer eingestuft. Und dann gab’s noch die mit „natürlicher“ Autorität. Die hauten einfach zu, obwohl es längst verboten war, oder bekamen von allen gefürchtete cholerische Anfälle. Und der vorbildliche Kollege, der heimlich hinter der Turnhalle rauchte, etliche soffen und manche drehten in der Mühle total durch. „Lehrer sind ja auch nur Menschen“, hat Prof. Dr. Gerhard Roth rausgefunden und ein Buch darüber geschrieben, wie Lernen gelingt. Oh ja! Wie die Lerner auch.

Quelle: „Begegnung – Deutsche schulische Arbeit im Ausland“, 2-2013

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