Ich erinnere mich

start73

So, da existieren also 90 weitere deutsche Eremiten, schreibt „Der Spiegel“. Ob das nich etwas unterschätzt iss? Die betreiben ja normalerweise keine Werbung. Sogar eine Eremitin mit Internet, die unter anderen seelsorgerischen Süßigkeiten Bücher über ihre Ziegen schreibt: „Von Ziegen lernen heißt leben lernen“ (Fehlt da kein Komma?). Ich könnte das auch. Eigentlich mache ich seit 1973 nix anderes. Und irgendwie moderat sind sie ja immer. Wo soll denn das Geld für Steuern, Versicherungen, Gebühren und die allgemein teure Lebenshaltung herkommen? Man arbeitet in D für Staat, Versicherungen und Solidarität. Die ganz Dummen sogar für die Popen. Besser man wird nich krank als unversicherter Eremit.
Ich erinnere mich an das Eingeschlossen-Sein im Winter. Die schlechte Heizungs-Luft, die Erkältungen, schwere Grippe, rheumatische Erscheinungen. Barfuß ging nich. Wenn man das Bett nich rechtzeitig aufdeckte, war es feuchtkalt. Morgens die Bude kalt, auf den Scheiben Eis-Gravuren. Vor dem qualmenden Ofen hocken und hoffen, daß das Feuer angeht. Asche raus-, Holz und Briketts reinbringen. Die Katze scheißt ins Bett. Fenster vergammeln durch Schwitzwasser. Wird der Wagen anspringen? Fahren bei Glatteis. Wie sehnte ich mich nach Wärme und Sonnenschein – und natürlich danach, nicht mehr allein zu sein. Bei WordPress bieten sie Wärme sogar als Foto-Thema an. Mit luftiger Kleidung unbeschwert im Sommer, das gab es nur wenige Wochen im Jahr. Schon wenn ich rausging aus dem Eichenwald, war’s ein paar Grad wärmer.
Im Nordosten Deutschlands gips landschaftlich schöne Gegenden mit 40 Menschen/km². Immer noch 39 zu viel, jedoch mit fallender Tendenz. Negativ-Prognosen bis 2030. Das iss positiv. Da sollte ich mich mal umsehen. Selbst die Nazis gehn da wech, weilse keinen zum Zusammenschlagen finden. Dafür kommen mal eben Banden aus dem Osten rüber. Das würde mir nich gefallen.
Anscheinend muß man auch ersma 1 Untertauchschein machen, um anerkannter Eremit zu werden: „Zum einen die beiden, ich möchte mal sagen, grundsätzlichen Formen des Diözesaneremiten und des Ordenseremiten. Diözesaneremiten fallen kirchenrechtlich unter den c. 603 des Kirchenrechtes, der direkte Vorgesetzte ist der Diözesanbischof. Ordenseremiten unterstehen ihrem Abt oder dem Oberen ihres Konventes, zu dem sie gehören und unterstehen damit natürlich auch dem Partikularrecht des Ordens, bzw. der Kongregation. Der Diözesaneremit ist für seinen Lebensunterhalt komplett selbst verantwortlich, der Ordenseremit gehört weiterhin der Gemeinschaft an und wird, zumindest was die Sozialabgaben und so weiter angeht, vom Kloster mitgetragen.“ (Maria Anna Leenen, *1956, die offensichtlich im Ausland gescheitert ist)
„Ich kann bestätigen, daß der Weg sehr offen und individuell gestaltbar ist – daß es aber wichtig ist, nur auf IHN und auf sonst niemanden zu hören … Stellvertretend für das Heil der Welt zu beten und zu büßen ist eine große Aufgabe, die aber auch viel Freude macht. Gott segne uns alle!” (Cornelia Bergen, Eremitin)
„Wir sind überfordert, die Gesellschaft zu verändern. Es ist unser Recht, sie zu nehmen, wie der urtümliche Jäger und Sammler die Natur. Wenn wir uns politisch geben, tun wir es für uns selbst, um unsere Angst und Hoffnungslosigkeit zu beschwichtigen. Wir tun es nicht für andere, denn wir wissen gar nicht, welche Folgen unser Handeln für sie haben wird.“ (Wolfgang Schmidbauer, *1941, „Weniger ist manchmal mehr – Zur Psychologie des Konsumverzichts“)

http://www.eremiten-in-deutschland.de/

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