Plan B

Spielturm

„Der Mensch ist nicht ‚dicht‘. Tränen, Tagträumen, Ausfabeln von Phantasie, Gären und Brausen oberhalb des gewordenen Bewußten – das ist der Raum oder Hohlraum – in dem Mögliches, also auch Kunst, entsteht, Produkt eines militanten Optimismus.“
Ernst Bloch, „Prinzip Hoffnung“

Wenn ich bedenke, wieviel Unnützes ich lernen mußte, was ich nie brauchte – wobei man das erst später weiß – und wieviel Elementares ich nie lernte, so deuchtet mir allein schon deshalb: Da läuft was falsch. Holz-Bearbeitung brachte ich mir so nach und nach selbst bei, doch Mauern lernte ich erst von dem Architekten Hans-Joachim Turner. Der Mann war ein Glücksfall für mich, denn wie soll man sein Haus selbstbauen, wenn man nich mauern kann. Nu sach nich, das können die wenigsten. Bessa iss latürnich, man macht es zu zweit, wobei ich von Frauen als Partner abrate. Daß sie heute in allen Berufen arbeiten, liegt nur daran, daß jeder Maschinen bedienen kann, die körperliche Kraft fast völlich ersetzen. Als Waldschrat findet man sowieso kaum geeignete Partnerinnen. Falls doch, kann man nie sicher sein, ob sie sich nich im Laufe der Zeit unangenehm verändern und alles zerstören, was du erarbeitet hast. Außerdem neigen sie dazu, plötzlich schwanger zu werden. In der Regel wolln sie lieba üba Kochen, Tiere und Reisen texten, als in der Wildnis leben, wo man keine Kosmetika kaufen kann. Da sie beim mechanisierten Wirtschaften kaum noch beansprucht werden, bzw. viele bäuerliche Tätigkeiten völlich verschwunden sind, langweilen sie sich lieba. Denn langweilich iss das urbane Leben nun mal, darauf weisen ja schon die ulkigen Ausflüge des mit Helm und Sport-Hose ausgerüsteten Städters in eine mehr oder weniger verkorkste Natur. Manche Frauen bilden Wildnis nur mittels modernster Technik ab. Jack London stellte sie als parasitäre, eitle und haltlose Geschöpfe dar, aba der Mann war ein Säufer.
Man sucht sich also besser n Partner, nachdem man den Boden ausgeschachtet und das Fundament gegossen und gemauert hat. Spätestens im Bereich der schweren Decken-Balken braucht man ihn. Das schließt jedoch nich aus, daß man ALLES allein macht. Sowas hängt latürnich auch von der Größe des Projekts ab. Heutzutage werden interessante Bausätze und Fertighäuser angeboten, die das ermöglichen. Darf man das? Latürnich nicht. Man darf nur 1 kleines Erdloch buddeln, 1 Sandkasten bauen oder 1 Fußballtor aufstellen. Sogar das eigene Grab muß den Richtlinien der Berufs-Genossenschaft für lebende Tote genügen. Das weiß ich, weil ich oft als Totengräber gearbeitet hab. Auch gips in D keine Gegenden, in denen man unbemerkt siedeln kann. Bekommt man keine Abriß-Verfügung sondern nur eine Mängel-Liste bei der Bau-Abnahme, ignoriert man jene – solange keine Geldstrafen drohen. Weil es utopisch iss, kann ich mir das eigentlich sparen, hiermit aufzufordern, sein Leben von Bevormundung zu lösen. Doch glaube ich fest an ein Leben vor dem Tode, und daß die richtige Einstellung weiter bringt als frühzeitige Resignation. Und was könnte spannender und notwendiger sein, als sich seinen Lebensraum durch geistige und körperliche Arbeit selbst zu erobern.

mit-Turner-sw

https://www.youtube.com/watch?v=L3IiH4kKUgc
https://www.youtube.com/watch?v=tv_kSc1BjZE

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