Extrem-News für Holzköpfe

Holzkopf

Sigmund Schuster (*1954) ist Bauingenieur, Baubiologe und Bewußtseinstrainer. Letzteres war mir neu. Daß er auch „NaturKraft“-Fertighäuser verkauft, wird im Interview nich erwähnt, sondern es geht um sein Buch „Die Lichtkraft des Baumes“, die Sigmund „spürt“, auch dessen Heilwirkung. Diese Gabe sei ihm „gegeben“. Die verborgene geistige Welt hat er als Beweis in sich, da brauche man keine weiteren. „Ich bin völliger Natur-Wissenschaftler.“ Und deshalb werden die Beine der Tahu-Produzentin Mbak, die aufgrund einer Nieren-Erkrankung geschwollen sind, ja auch mit Holz bestrichen. Falls das ebenso wie die pfingstlerische Gesundbeterei nix nützt, kommt sie danach in einen Holzsarg. Sie leidet viel unter Ängsten, von denen auch im Interview die Rede ist. Ängste seien es ja eigentlich, die Krankheiten hervorrufen. Und da wir nur noch 4% unseres Lebens im Freien verbringen, den Rest im Beton, isses ja kein Wunda, daß Sigmund so verfettet iss, und wie die „innere Unruhe“ des Betons auf uns einwirke, obwohl man sich gerade bei unruhigen Erdbeben recht gut auf richtich produzierten Beton verlassen kann. Ein Kind in einer unflexiblen Beton-Schule werde unruhig und könne sich nich entfalten. Doch weiß Sigmund Abhilfe: Seine angebotenen Fichten-Balken, in der Nähe des Schlafplatzes eingebaut, lassen das Schwingungsfeld des Waldes auf unsa Gehirn einwirken. Dazu braucht man jedoch alte Bäume, die man nach Richtlinien, die er entwickelt hat, sanft und mondgerecht zu fällen habe. Man darf sie nich technisch trocknen, sonst wird das Schwingungsfeld beschädigt. Bei Honich sei das auch so. Wenn wir also die Eigenschaften des alten Baumes, wie Würde, Stabilität, Aufrichtigkeit, Reife und dessen erweiterten Horizont auf uns übertragen wollen, müssen wir uns mit Sigmunds Fichten-Balken umgeben. Deshalb bin ich ja auch so erleuchtet, weil ich das schon seit 38 Jahren mache, früher mit Eiche, inzwischen mit Tropenholz, das unvergleichlich viel edlere Qualitäten besitzt, als dieses lumpige Industrie-Fichten-Holz, das ja nu wirklich das Jämmerlichste iss, was der deutsche Wald zu bieten hat. Wenn man die Fachwerk-Häuser im 18.Jahrhundert aus Fichte anstatt Eiche gebaut hätte, wären für mich zum Wiederaufbau im 20. gakeine mehr übrichgeblieben. „Ich bin ein Fan von alten Bäumen“, sacht Sigmund. Weshalb sägt er sie dann um? Ich laß gerade die imma stehn und hau die jungen um. Danach bekommen die alten mehr Wind-Druck und kippen auch noch. Sigmund baut seine Balken so ein, daß wir uns im Stamm-Mittelpunkt, also im Kern alles Guten befinden. Das iss sehr vernünftich, weil so ein Holz, besonders ein 30cm breiter und 12cm dicker Balken, abgesehen vom Schwund, im Gegensatz zum Beamten arbeitet. Er verzieht und biegt sich beim Trocknen entgegen der Ring-Richtung und verschließt im günstigsten Fall die Fuge nach innen. Deshalb muß Sigmund die Außenseite seiner „vollwertigen“ Wände mit Spanplatten bedecken, die echte Natur-Wissenschaftler wegen der Harnstoff-Formaldehyd-Ausdünstungen des Kunstharz-Bindemittels und mangelnden Stabilität für ökologisches Bauen ebenso ablehnen wie den Einsatz im Möbelbau. Der Ikea-Möbelschrott besteht überwiegend aus solchem Kunstholz ohne Schwingungsfelder. Jedoch: „Die Menschen merken’s nicht!“ sacht Sigmund, meint aber nich seine Spanplatten. Er hat „so viele spirituelle Erlebnisse“, daß er sogar parallel in der körperlichen und der Seelenwelt lebe. Dabei isser eigentlich nur Sprachrohr. Wessen, bleibt offen.
Die von seiner Firma angebotenen Wände sind innen außerordentlich schön, ich wär jedoch nich bereit, auch nur 1EUR für den esoterischen Mehrwert zu bezahlen, zumal sie zwar gut isolieren, aber nie den Temperatur-Ausgleich einer dicken Ziegelwand bieten können. Termiten sind jedenfalls von solchen „NaturKraftHäusern“ begeistert.

https://www.youtube.com/watch?v=FsNkyrL-B8Q

5 Gedanken zu „Extrem-News für Holzköpfe

  1. Tja, um Spinner zu finden, die Spaß daran haben, anderen mit Geschwurbel Geld abzuluchsen („Ich halte gerne Vorträge …“) muß man anscheinend nicht nach Indonesien auswandern.
    Sich über die Sehnsucht nach Dauer als Hüter der „…die Größe und Schönheit der Ehe“ per Werbeslogan bei Häuslebauern anzuwanzen, denen ein Blockhaus aus polnischen Wäldern nicht genug Hypothekensicherheit bietet, wenn sich doch allerorten ständig Häuslebauermann und Häuslebauerfrau wegen des ganzen Stresses an den Rand der Scheidung bringen – und kostenträchtig – darüber hinaus.
    Das spricht von der großen zynischen Cleverness, de alle religiösen Scharlatane dieser Welt anscheinend draufhaben.

  2. So isses! Wobei die deutschen Scharlatane viel raffinierter vorgehen als die indonesischen, weil sie mit einem aufgeklärteren Publikum zu tun haben. Mir war das gar nicht so bewußt, wie ähnlich die Situation ist, weil ich in D mit sowas kaum zu tun hatte und deshalb die hiesigen Ungeheuerlichkeiten immer als etwas übergroß empfinde.

  3. In D überdecken die Versicherungsgesellschaften mit ordentlichen, teils stattlicherseits aufgenötigten oder zumindest empfohlenen Verträgen, die dann gern in Kooperation mit den Banken vermittelt werden, in geordneter Formation einen großen Teil des sofort ins Auge fallenden Wirrwarrs.
    Wo die großen Gesellschaften die kleinen Privatscharlatane bekämpfen (Krankenkassen zusammen mit Ärztevereinigungen versus alternativen Heilmethoden jeglicher Art), müssen die Ideen schon etwas hintersinniger ausgearbeitet werden. So dass Bausparverträge, Lebensversicherungen, Bankendarlehen und private Bürgschaften bei den Banken mit abgegriffen werden können, ist schon ziemlich gut.

  4. In D muß man sich intensiv informieren und wirklich mitdenken. Die Leute, die über den Tisch gezogen werden, haben das meist versäumt. Aber das Rentenfonds-System als Versorgung ist z.B. so ausgefeilt mörderisch – daß man trotzdem wenig Chancen hat, es unbeschädigt zu nutzen – wie ich leider erfahren mußte. Dagegen scheint mir die rigide Bauordnung von den Versicherungen dominiert zu sein. Wenn der Versicherungsfall eintritt, wollen die Bauämter nicht verantwortlich sein. Für die Schulen gilt das gleiche.

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