Ausgegrenzt

Gier

Mein alter „Diercke Weltatlas” von Georg Westermann in Braunschweig hat es bis zum Äquator geschafft. Raffinierterweise ließ der Verlag traditionell das Erscheinungsjahr weg, um den Atlas länger verkaufen zu können. Aber mein Vater, ordentlich wie er war, schrieb es rein: 1957. Wenn man nun dem 53. Breitengrad von Bremen nach Osten folgt, kommt man von der West-Heide, wo ich 27 Jahre im Moor gelebt hab, zur Uckermark, wo das Wasser sichtbarer herumsteht, und sogar die Biber wieder bauen (Man merkte das, als die russischen Besatzungs-Soldaten anfingen, Biberfleisch zu verkaufen!). Dabei wurde ich auf die merkwürdigen Grenzen aufmerksam, die ich mir noch nie zuvor so genau angesehn hatte. Die Nähe dieses dünn besiedelten Gebiets zur polnischen Grenze ist unangenehm. Mit marodierenden polnischen Banden hatte man schon 1945 in meiner Moor-Idylle große Schwierigkeiten und sehr unangenehme Erinnerungen. Und jedes Mal, wenn ich auf die Karte sah, stutzte ich: Wieso ist Stettin polnisch? Weiter südlich folgt die Grenze praktischerweise dem Verlauf von Oder und Neiße, doch vor Stettin geht es nördlich in die Botanik. „Am 5. Juli 1945 wurde Stettin jedoch – unter Bruch bestehender alliierter Vereinbarungen, … von der sowjetischen Besatzungsmacht an Polen übergeben. Gleichzeitig erfolgte die Ablösung der deutschen Stadtverwaltung unter Absetzung des Bürgermeisters Wiesner, und es begann die Ansiedlung von Polen, die mit der Vertreibung der deutschen Zivil-Bevölkerung einherging … Nach den Festlegungen der Potsdamer Konferenz vom August 1945 sollte die deutsche Ostgrenze auf der Linie von Oder und Neiße verlaufen. Entgegen diesen Festlegungen verfügte Stalin eigenmächtig, daß auch die Gebiete westlich der Oderlinie mit Stettin und Swinemünde sowie deren Umfeld den polnischen Verwaltungsgebieten zuzuschlagen sind. Der alliierte Kontrollrat wandte aber nichts gegen diese Eigenmächtigkeit ein.“ Was für eine schweinische Politik! Gerne hätte ich die Frau vom Museum in Zoppot gefragt, die mich hier wegen Bild-Materials vom Haus meines Urgroßvaters kontaktierte, wie es sich denn so anfühlt, in gestohlenen Häusern zu wohnen. Ich hab jedenfalls immer für meine Häuser bezahlen müssen. Doch das verkniff ich mir und erklärte nur, wie meine Vorfahren bei der Flucht so gut wie nichts mitnehmen konnten, und ich nicht mal weiß, wie mein Urgroßvater mütterlicherseits ausgesehen hat.

Ostpreussen

Auch der Polnische Korridor findet sich noch auf einer Karte und natürlich die Ungeheuerlichkeiten der Besetzung Ostpreußens. Wie mögen wohl heutzutage die politisch korrekten Schul-Atlanten aussehen?

endgueltig

2 Gedanken zu „Ausgegrenzt

  1. Pingback: Polnischer Imperialismus | Memoiren eines Waldschrats

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