Die Wahrheit üba Ratte

aufrichtig

Damals anner Kunsthochschule in Braunschwein saßen Ratte und ich in der Klasse von Prof. Satorius und strichelten. Man konnte das eigentlich nich studieren nennen, aba es wa wenigstens nich so anstrengend. Da kam plötzlich Kommilitone Karl rein. Karl hatte ein schwerwiegendes Problem, bei dessen Lösung er uns zu helfen bat. Er hatte inne Zeitung eine Kleinanzeige aufgegebn: „Kunststudent sucht Freundin.“ Kurz und knapp. Mir deuchtete, der Mann hatte keine Ehre. Sowas hätt ich nich tun können, obwohl ich auch schon dabei war, Sachen zu machen, die nich mehr so seriös warn wie früha. Aba „Kunststudent“ war n magisches Wort. So wie „Liebe“ oda bessa noch „EWIGE Liebe“. Ich sach ja nich, daß Fraun doof sind, doch sie reagiern auf Worte wie meine Ziegen auf frisches Gras. Wenn wir als Bunstift-Mafia untawegs warn anstatt zu studieren, und es gab interessante weibliche Wesen inner Nähe, denn hamwa bewußt ma so die Begriffe „Kunst“ und „Kunststudium“ in unsere Untahaltung eingestreut, und denn konnste sehn, wie die Ohren von den Fraun länga wurden. Und so hatten auch einige schon auf Karls Kleinanzeige reagiert, von denen ihm eine sogar gefiel. Die Anzeige wirkte wie heute ne Selbstentblößung auf Twitter. Jetzt hatte er aber dummerweise am Nachmittag 2 Treffen verabredet: Zuerst mit eina, die er noch nich kannte, und danach mit der, die ihm gefiel. „Drum prüfe, wer sich ewich bindet, ob sich nich noch was besseres findet.“ Glaub nich, daß der Spruch von Jöthe iss, doch steckt ne tiefe Wahrheit drin. Das sieht man ja an meinen aktuellen Erlebnissen. Nu wollte er wenigstens die Neue ma prüfen, bevor er sich mit der schon Bekannten vorläufich ewich verband. Das konnte jedoch zeitlich knapp werden. Deshalb sollten Ratte und ich bei Karl erscheinen. Wenn ihm die Neue bei ihrem Auftauchen gefiel, sollten wir uns auf ein Stichwort hin verabschieden, kam nix von Karl, würden wir verharren, bis die Frau aufgab. Ich dachte nur: ‚Die arme Frau.‘ Aba wir wollten Karl ja helfen.
Also warteten wir in Karls möblierter Studentenbude auf die Frau. Karl saß aufem Sofa, ich am anderen Ende des Zimmers – und Ratte kroch unta einen runden Tisch mit weit überhängender Tischdecke. Wieso kroch Ratte unta den Tisch? Wir werden das nie erfahren. Die Forschung iss sich bis heute darin nich einich, wieso Ratte unta dem Tisch hockte. Glaubte er, da vielleicht den Goldenen Schnitt zu finden? Oda wa ihm das alles zu peinlich? Hätt er doch einfach wechgehen können. Außadem konnte es passieren, daß er entdeckt würde, und DAS wär doch wirklich peinlich gewesen. Und was wär geschehn, wenn Karl das Stichwort eingesetzt hätte, und Ratte wär unta dem Tisch hervorgekrochen? Aba Ratte wa eben so. Man wußte nie genau, was in ihm vorging.
Dann erschien die Frau – eine etwas dickliche Jungfer – und bemerkte als erstes: „Ach! Ich dachte du wärst alleine.“ Karl stellte mich als Kommilitonen vor, die Frau setzte sich zu Karl aufs Sofa, eine etwas zähe Untahaltung entwickelte sich, von Karl kam kein Stichwort – und Ratte saß unta dem Tisch.
Irgendwann fing er an, Geräusche zu machen. „Ach! Da iss ja noch eina!“ sachte die Frau – und verabschiedete sich dann bald. Mir tatse ja ziemlich leid.
Kurz darauf erschien die schon Erwählte, und wir entfernten uns dezent. Karl war’s zufrieden.
So wa das damals.

Kleinanzeige aus „Die Weiße Fahne“, 1. August 1927

6 Gedanken zu „Die Wahrheit üba Ratte

  1. na prima, du leepst, wollte schon mit nirvana teflon un nach dir fragen;
    wo buddelst du diese geschichten aus? sowas iss mir inna suppe des vagessens abgesoffen;
    bei malte haap ich nich gestrichelt, da waren wir schon im 3. mesester un ich kannte nur frauen ohne ohren; unter dem tisch lernte ich für mein medizin-examen, ich wollte gehirn-schirurk werden, es bliep nich mehr viel zeit; mich hat der fall aus folgendem neuro-brain intressiert:
    ausgemacht war, dass du nach einiger zeit sagen würdest, dass du der echte karl bist; wennses nich glaupt, würdeste gesacht haben, du könntest einen zeugen unter diesen tisch beamen; so wars dann auch, aba das lief dann alles komplett kaos aussen-nanna…
    ps: wennde im netz mit alten erleepnissen bist, fließen die sofort ins deep learning von darpa, da musse dich zurück bessa!

  2. Ach, SO wa das? Ich glaub das nich! Ich hätt nie jesacht, daß ich der echte Karl bin, weil ich nie nich Karl sein wollte. Ich glaub auch nich, daßde untam Tisch Medizin studiert hast. Ich hab die Geschichten alle in meim Kopp, und ab und zu kuckt eine raus. Und außadem hap ich 1 visuelles Gedächtnis.
    Aba wer iss „darpa“?

  3. wenne inta nezz hett est, könnste sowas finnen; iss 1ziga grund, wess halp ich so va schlüsselt schraip, nuzzt aba tot aal ga nix;
    froit mich ü bri genz, dassich beim golden schritt vom 16.09. mal der letzte binn, wo was gesacht hat und du o ne ant wort ge bliembiss…

  4. Achso: „Defense Advanced Research Projects Agency“! So, so! Davor haste Angst? Und Du meinst, die interessieren sich ausgerechnet für Dich oda mich? Aba JETZ vasteh ich, wiesode untan Tisch gekrochen bist, obwohl gerade kein Erdbeben in Braunschwein wa. Hoffentlich täuschte Dich da ma nich. Die ham nämlich ne extra Abteilung für Leute, die sich unta Tischen vastecken (UTRPA).
    Dein goldiger Schitt iss mir einfach so wurscht, dasse da ausnahmsweise ma das letzte Wort ham kannst.

  5. …von angst wa übahaup nich die rede nich, es gink um ki und das deep lernen der maschinen seit alan turing, da sindwa nu mal dabei, du gans besonners;
    hier voraus ginx auf eima um an geep liche waaheit üba ratte, um unta-tisch-forschunk, um frauen ohne ohren und um goldschnitt; da machste was mitt… irre!

  6. Aba Du hast doch übers verschlüsselte Schreiben verschlüsselt geschrieben. Warum mußte das denn, wände keine Angst vor irgendwas hast oda nich gerade wen betrügen willst?

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