Dschungelschrat

UpdeGraff

Der Amerikaner Fritz William Up de Graff (1873-1927) abenteuerte von 1894 bis 1901 im Amazonas-Dschungel herum. Später arbeitete er als Ingenieur in Silber-Bergwerken in Mexiko, USA, Kuba und Spanien. Hier einige Auszüge aus seinem Bericht „Auf Kopfjägerpfaden“ von 1923:

„Vom kaufmännischen Standpunkt aus betrachtet bestand die in Ecuador verbrachte Zeit aus einer langen Reihe von Enttäuschungen, die teils auf meine Leichtgläubigkeit zurückzuführen waren, teils auf die korrupte Sorglosigkeit, die von A bis Z das ganze Land regiert.“
„Aber wäre Kolumbus zu Hause geblieben, wären wir nie entdeckt worden, und das Paradies wäre schon längst überfüllt, hätte sich nicht hin und wieder einer hinausgewagt, um sich in der Welt umzusehen.“
„Während ich beim Abendessen saß, kam ein Priester mit seinem indianischen Sancho Pansa herein. Er setzte sich an den Tisch, während sein Kalfakter sich ihm zu Füßen auf den nackten Fußboden setzte. Der Meister warf die zäheren Brocken halbzerkaut dem Indianer zu, der sie auffing und gierig verschlang wie ein hungriger Hund.“
„Mittel, das angeblich im Andenhochland unfehlbar Heilung bewirkt: Der Patient muß die Gallenblase der Schlange, die ihn gebissen hat, schlucken, dann bindet man das betroffene Glied oberhalb der Bißwunde ab, legt eine glühende Kohle auf die Wunde, bis sie genügend desinfiziert ist.“
„Mangels einer Polizeibehörde stand die Stadt permanent unter einer Art Ausnahme-Zustand, der von der Armee, an dessen Spitze selbstverständlich der Gouverneur stand, verhängt und kontrolliert wurde. Bestechung und Korruption gehörten zum guten Ton, und jeder Gouverneur hatte nur einen Ehrgeiz: schneller als sein Vorgänger zu einem noch größeren Vermögen zu kommen. Nimm, was du kriegst – das war die Losung des Tages. Nicht verwunderlich also, daß in Anbetracht der unerschöpflichen Gummivorkommen auf der einen und der unersättlichen Nachfrage seitens der industrialisierten Länder auf der anderen Seite sich permanent Piraten, Schlitzohren und Halsabschneider um den Gouverneursposten stritten.“
„Auf jedem Tisch stand eine Schüssel mit roten Chilischoten, die man genüßlich kaute, obwohl eine winzige genügt hätte, einen normal veranlagten Menschen eines Feuertodes sterben zu lassen. Hinzu kam die allgegenwärtige Curiuchu-Sauce – goldener Pfeffer auf Ketschua -, die zu gleichen Teilen aus dem erwähnten roten Pfeffer, Zwiebeln und Öl bestand. Mit diesem allmächtigen Kraut, das im Amazonas in ungeheuren Mengen gedeiht, überdeckte man unweigerlich den Geschmack jedes sorgfältig zubereiteten Gerichtes.“
„Eine gewöhnliche Kreissäge mit einer durchschnittlichen Drehgeschwindigkeit würde innerhalb von wenigen Sekunden alle Zähne verlieren; ein Meißel, der etwas zu energisch angesetzt wird, bleibt im [harten Tropen-] Holz stecken; es ist unmöglich, einen Nagel einzuschlagen, und auch der Hobel kann nichts ausrichten. Das Holz muß sorgfältig gebohrt werden wie Stahl.“
„Sie tragen die Beize auf wie Städterinnen Gesichtspuder. Es dauert drei oder vier Wochen, bis sie verblaßt. Man nimmt das vorübergehende unvorteilhafte Aussehen in Kauf, denn der Wunsch, das Merkmal des Indianerblutes zu tilgen, ist größer als die Eitelkeit.“
„Die größte Plage waren die Ameisen. Das kleinste Krümel zog gleich Heerscharen an … Am Morgen muß man eine kleine Lichtung schlagen, um die reinigenden Sonnenstrahlen durchzulassen; man breitet die Ausrüstung an der Sonne aus, bis die letzte Ameise die Flucht ergriffen hat, denn sie verabscheuen die Sonne wie übrigens die meisten Kreaturen der feuchten, düsteren Wälder.“

headhunters

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