an die Wand getrollt

ratlos

Ob es jemals in der Kultur-Geschichte künstlerische Leistungen gegeben habe, die kein Geld gekostet hätten, das von irgendwo herkommen mußte, lautete meine Frage, die damit falsch beantwortet wurde, die steinzeitlichen Jäger hätten unbezahlt gemalt. Auch in den Höhlen von Lascaux findet man solches nicht. Das hat schon Arnold Hauser (1892-1978) deutlichgemacht, der Kunst als standortgebundenes „soziologisches Dokument“ untersuchte und gegen einseitige Vereinnahmungen verteidigte: „In der Zeit der reinen Praxis drehte sich offenbar alles noch um die Lebensfürsorge, und nichts berechtigt uns, anzunehmen, daß die Kunst einem anderen Zweck gedient hätte als der direkten Lebensmittelbeschaffung. Alle Zeichen weisen darauf hin, daß sie das Mittel einer magischen Praxis war und als solches eine durchaus pragmatische, ganz und gar auf unmittelbare wirtschaftliche Ziele gerichtete Funktion hatte … wie wenn wir zum Beispiel Mausefallen aufstellen, den Boden düngen oder ein Schlafmittel einnehmen.“ Wenn Arnold, der – anders als Martin Gosebruch – einer der ersten war, bei dem die moderne „Massenkunst“ Eingang in die Kunstgeschichte fand, allerdings über das „tatsächliche Anschießen des Bildes“ phantasiert, zeigt er ein Verständnis von Ballistik wie der durch die Klotür schießende Bubi Scholz. Allen ästhetischen Spekulationen zum Trotz hat sich die Einsicht verbreitet, daß es keine gesicherten Erklärungen für diese frühen Wand-Malereien gibt. Dabei isses doch so einfach und nich anders als beim Kölner Dom: So eine Höhle iss ja immer unheimlich, schon wenn man sie nur mit Fackeln und Öllampen durchstreifen kann. Also liegt es nahe, dort all das anzusiedeln, was man sich nich erklären kann. Dann braucht man noch einen, der zum Jagen unfähich oder zu faul iss. Der faßt das gesammelte Nichtwissen zusammen und erklärt die Natur-Phänomene frei phantasierend. Dafür verlangt er Eintritt. Nach und nach kommt so viel Kapital zusammen, daß er weitere Finger-Maler (Frauen und jugendliche Arbeitslose) in einer zusätzlichen Höhle beschäftigen kann. Immer mehr dumme Pilger werden angezogen, und am Ende steht da der Kölner Dom – allerdings etwas nordöstlicher.
Erst im 19. Jahrhundert beginnen die Künstler, sich aus der Handwerker-Rolle zu befreien und zu individuellen Hunger-Künstlern zu entwickeln. Seitdem haben sie die Wahl, entweder ihre Werke oder sich selbst als Kunsterzieher zu verkaufen. Die wirklich freien Künstler sind die, die ohne Rücksicht auf Absetzbarkeit produzieren können – wie ich zum Bleistift. Um so überhaupt noch wahrgenommen zu werden, hat heute JEDER die Chance, sich im Internet zu präsentieren und dort übersehen zu werden. Die Unterstellung, wer bei WordPress mitmacht, sei schon Teil der kommerziellen Ausrichtung, ist auch nich viel mehr, als das, was links unten aus einem Nashorn rauskommt.

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