Klage gegen einen Kadaver

cadaversynod

Als Schüler der gymnasialen Oberstufe war ich ziemlich gut im Religions-Unterricht. Das lag daran, daß ich als einziger nich schlief, sondern von einem sich zart entwickelnden Widerspruchs-Geist wachgehalten wurde. Auch besaß ich eine Zürcher Bibel, die auf die Reformation Zwinglis zurückgeht und den ganzen Schwulst in verständlichem Deutsch präsentiert. Aus dieser Bibel mußte ich immer das gerade anliegende Thema vorlesen. Daß mich das Unterrichtsbuch „Die Botschaft von Jesus Christus“ von Dr. Phil. Habil. Ernst Busch dabei nich für den Rest meines Lebens völlich verblödete, lag hauptsächlich daran, daß ich es nie ganz durchlas. Das will ich nun, dabei soll es „nur im Anschluß an die in der Hand des Schülers befindliche Bibel benutzt werden“. Das iss doch selbstverständlich! In einem derartig christlich verminten Gebiet wie Nordsulawesi liegt die Bibel sowieso imma aufem Nachttisch – gleich neben dem Handphone mit täglichem Bibel-Spruch-App: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen in den Gemeinde-Versammlungen schweigen; denn es wird ihnen nicht gestattet, zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie zu Hause die eigenen Männer fragen; denn es ist für eine Frau schimpflich, in einer Gemeinde-Versammlung zu reden.“ (1. Korintherbrief 14, 33-35)

So soll hier von dem Gott Jahwe, dem „Ganz-Anderen“ die Rede sein, der sich zwar „von allen Menschen und von der ganzen Schöpfung völlig unterscheidet“, dessen Eigenschaften und Verhalten jedoch auf 335 Seiten hemmungslos anthropomorphisch beschrieben werden, obwohl angeblich nur heidnische Götter immer die Züge derer verraten, die sie verehren. Dem Volke Israel verbot Gott dessen bildliche Darstellung. „Manche Theologen haben gemeint, daß sich in der Vorstellung von den Göttern die Gottlosigkeit des Menschen ausdrücke.“ Karl Barth war sogar der Ansicht, die Religion „wird nämlich nie grundsätzlich mehr und etwas anderes sein als ein Spiegelbild dessen, was der Mensch selbst, der zu dieser äußeren Befriedigung seines Bedürfnisses schreiten zu sollen meint, ist und hat“. Diejenigen der ersten Stunde, die Gott als eifersüchtig, zornig und liebend charakterisiert haben, waren Ignoranten, die so gut wie nichts über Geographie, Astronomie und Evolution wußten. Von den Original-Texten existieren nur Abschriften, die im Wortlaut voneinander abweichen, dessen Lehre im Laufe der Zeit weiter- und umgebildet wurde. So wird der Urzustand der Welt mal als Meer, mal als Steppe beschrieben. Trotzdem wird der Wortlaut von christlichen Fundamentalisten als Akt direkter göttlicher Offenbarung angesehen.
Zuerst muß latürnich festgestellt werden, daß es keine andere Religion außer der christlichen geben kann, obwohl kein wirklicher Unterschied darin besteht, daß der Mensch durch erfundene religiöse Praktiken sich der Macht der Gottheit zu versichern und sie in seinen Dienst zu stellen sucht. Dazu dient auch der Fetisch oder das Amulett, welches zum Bleistift kreuzförmich am Hals baumelt. Gerne werden heilige Mahlzeiten veranstaltet, bei denen man Fleisch und Blut der Opfer zu sich nimmt. Im günstigsten Falle keine menschlichen. Nur der Pope erfindet und beherrscht die Rituale, weshalb er unangreifbar geheiligt wird. Durch seine magischen Kräfte gewinnt er immer stärkeren weltlichen Einfluß. Busch stellt dabei sogar Rückschritte in der Religion fest. Die ältesten waren eine Art Urmonotheismus, der fortschreitend zum Polytheismus verkompliziert wurde: „Das Ausmaß des Abfalls und des Irrtums bei den kulturell höher entwickelten Menschen erscheint höher als bei den Primitiven der Grundkultur.“ Im Totemismus glaubt man sich mit bestimmten Tieren verwandt, wie zum Bleistift dem Lamm, obwohl die Resurrections-Fähigkeit des Schafes ganich gesichert iss. In Mysterien-Kulten der Griechen wurden Szenen aus der Heilsgeschichte der verehrten Gottheit dargestellt, Dromenon genannt. Genau das findet hier in Nordsulawesi in zunehmendem Maße zu Ostern statt. Das Legomenon, das „heilige Wort“, ging über das reine Schauspiel hinaus und ließ den Eingeweihten – sofern er weder Fleisch, Eier und Bohnen gegessen hatte – am Schicksal des Gottes teilnehmen. Dagegen bestanden die „heiligen Haine“ der Germanen, die eine wirklichkeitsferne Romantik idealisierte, aus Ansammlungen von modernden Leichenresten Geopferter. Doch soll es schon damals intelligente Germanen gegeben haben: „Odin opfern tat ich niemals, dennoch habe ich lange gelebt.“ Ernst Busch ist sich allerdings sicher, wie ohne Christus die Lehren keiner Religion, „welche Tiefe sie auch immer erreichen mögen“, der WIRKLICHKEIT entsprechen. „Sie besitzen damit auch keine Wahrheit und Gültigkeit.“
Der Mann wird seinen Dr. Phil. Habil. gekauft haben. Anders kann ich mir seine Bewertung nich erklären.

Foto: Jean Paul Laurens, „Leichensynode„, 1870

4 Gedanken zu „Klage gegen einen Kadaver

  1. ja, wie das so manchmal ist: Das Fleisch ist schwach, und wo ist der Geist ??

    Also ich mein der Geist der Liebe. ist verschwunden. Ach je

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s