Klage gegen einen Kadaver II

Abraham

Die Juden

Abweichend von den Beschreibungen des Alten Testaments bestanden die verschiedenen Stämme Israels aus Halbnomaden, die sich in mehreren Vorstößen in den schwach besiedelten Teilen Kanaans festsetzten. Die in der Bibel aufgeführten Erzväter sind erst nachträglich in genealogischen Zusammenhang gebracht worden, als Israel eine geschlossene Nation bildete. Die Inbesitznahme des Landes wird mit einer Schenkung Gottes begründet, die unterworfene kanaanäische Bevölkerung muß Frondienst leisten. Zu den schlimmsten Vergehen gehörte die Mischehe mit Rassefremden. Im günstigsten Falle wurden nichtisraelitische Ehefrauen samt deren Kindern nur verstoßen, im 4.Buch Mose (7-18) wird diese „Plage“ durch Aufspießen beseitigt. Dafür erhält man „Priestertum für alle Zeiten“. Es gehört wohl zu den pikantesten Fußnoten der Weltgeschichte, wie Juden ihre spätere Diskriminierung bereits an anderen Völkern vorexerziert haben. Dieser sadistische Gott hat überhaupt merkwürdige Ideen: „Ich werde ihn [Hosea] heißen, eine Hure zu ehelichen und Kinder der Hurerei mit ihr zu zeugen, und dann werde ich ihn heißen, sie davonzujagen.“
Durch den von Moses verkündeten Dekalog (ursprünglich 613 Gebote) werden Poytheismus und Idolatrie abgeschafft, beides in der antiken Welt völlig ungewöhnlich. Alle auftauchenden Propheten berichten von einer Endzeit und einem König (Messias), der die immer wieder von Jahwe abfallenden Juden zu neuer Größe bringen wird. Für Hosea (um 740) ist der Kultort Bethel ein Haus des Frevels. Für Jesaja (um 720), dessen Text aus Voraussagen verschiedener Propheten zusammengesetzt ist, erscheint die Verschärfung der Zustände (Wahrsagerei, Magie, Götzendienst) sogar wünschenswert, um eine Grenze des Unheils zu schaffen, an der Gott eingreift. Und zwar als Herrscher der Welt. „10 Maße der Weisheit kamen in die Welt. Das Land Israel nahm davon 9, der Rest der Welt nahm eines.“ Dann werden auch die heidnischen Völker zum Tempel in Jerusalem strömen, der nach der Zerstörung der Kultstätten in Bethel und in den Städten Samarias zur einzigen erklärt wurde. Propheten sind durch Jahwe berufen. In einem weiteren Textteil, der nicht von Jesaja stammt, ist schon davon die Rede, wie das Martyrium der Propheten stellvertretend für das Volk stattfinde. Jesajas Mund wird von einem fliegenden Seraphen mit einem glühenden Stein berührt, bei Jeremia tut es Gott persönlich. Dies beseitigt alle Zweifel, ob sie wirklich in seinem Auftrage prophezeien. Jeremia verurteilt die nur äußerliche Frömmigkeit, die sich auch im Opferkult manifestiert. Die Beschneidung (bei Abraham im Alter von 99) müsse (metaphorisch) durch die Beschneidung der Ohren ergänzt werden. Er fordert die totale Übergabe des Menschen so heftig, daß er dabei in einer Tempelrede einen Krug zerschmettert. Dafür buchtet man ihn ein und verhängt Tempel-Verbot. Später schmeißt man ihn in eine Zisterne. Bei Ezechiel (seit 593) sind es ekstatische Visionen mit Betäubungen, Lähmungen und Stummsein als besondere Qualitäten eines über das Haus Israel gesetzten Wächters mit Ferngesichten: „Die Seele, die sündigt, die soll sterben … Wenn der Gerechte sich von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht tut, so muß er sterben; wegen des Unrechts, das er getan hat, deswegen muß er sterben.“ (18, 20/26). So spricht der von Ezechiel erfundene Jahwe, aber immerhin wird die Sünde noch nicht vererbt. Eine strenge Absonderung der Juden von den Heiden setzt ein.
In den Psalmen, die nicht von den Männern der Überschriften geschrieben wurden, taucht nun die Erbsünde auf, doch von einer Auferstehung der Toten ist nirgendwo im Alten Testament die Rede. Erst durch den Einfluß der Perser geht diese Vorstellung in die apokalyptischen Schriften ein. Auch erfährt man durch den Himmel und Hölle durchwandernden Henoch von einem Menschensohn neben einem betagten Haupt, „weiß wie Wolle“, der als Messias „die Zähne der Sünder zermalmen“ wird. So entstehen vor und nach der Zeitwende immer wieder politische Unruhen durch selbsternannte Retter, die von den Römern blutig befriedet werden.
Die Frage, ob man ein Ei essen dürfe, welches von einer gesetzesunkundigen Henne an einem Feiertag gelegt wurde, beschäftigte nun die für Kasuistik zuständigen Pharisäer. In der Thora wird sogar die Fick-Frequenz festgelegt: Täglich für Arbeitslose, 1x pro Woche für Eseltreiber, alle 30 Tage für Kameltreiber und 1x alle 6 Monate für Seeleute. Wer der Zeugungspflicht nicht nachkam, wurde mit einem Mörder verglichen.
Aus den Textfunden von Qumran, die fast 1000 Jahre älter als die Handschriften der Bibel sind, weiß man, wie schon in dieser Sekte die Anschauung bestand, der Sünder könne sich nicht durch gute Werke selbst erlösen. Originell auch, was dem rechtschaffenden Hiob wiederfährt, der die Auferstehung nicht kennt: Der Teufel wettet mit Gott, daß Hiob seinen Glauben verliere, wenn er um seine Kinder und sein gesamtes Gut gebracht wird. 1:0 für Gott. Der Teufel versucht es noch einmal, indem Hiob auch gesundheitlich geschädigt wird. 2:0 für Gott. Doch jetzt wird Hiob sauer und verlangt Gerechtigkeit. Aber Gott macht ihm klar, daß Hiob sich seiner Allmacht zu beugen habe, auch wenn er Gottes Handeln nicht enträtseln könne. Da resigniert Hiob und bekommt dafür von seinen Bekannten je 1 Taler und einen goldenen Ring, während Gott ihm 14000 Schafe, 6000 Kamele, 1000 Joch Rinder und 1000 Eselinnen schenkt. Außerdem durfte er noch 140 Jahre leben. Ob er auch von der Hautkrankheit geheilt wurde, ist nicht bekannt. Vertraue also ruhich deinem zuständigen Mißbrauchs-Beauftragten, die ganze Plackerei lohnt sich. Allerdings wären mir Ziegen lieber als Rinder.

Foto: Rembrandt, „Abraham opfert Isaak“ (fast)

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