Klage gegen einen Kadaver III

wassagehn

Jesus

Sämtliche Schriften des Neuen Testaments sind in griechischer Sprache geschrieben. Von Jesus selbst gibt es nichts Schriftliches. Über ihn wurde bis zur Mitte des 2.Jahrhunderts alles mündlich überliefert. Die jetzige Form ist erst seit 367 bekannt. Dabei stimmt keine der erhaltenen Handschriften mit den anderen überein.
Zur Zeit Jesu befindet sich kaum ¼ der Juden im Mutterland, die meisten in der Diaspora weltweit verstreut. Mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahre 70 endet die jüdisch-christliche Bewegung. Stattdessen blüht das Christentum in der Diaspora bei den sogenannten „Hellenen“, wo die 4 Evangelien erst einige Jahrzehnte nach Jesu Tod mit erheblichen Abweichungen voneinander niedergeschrieben werden. Daß diese, offenbar zum großen Teil erfundenen Geschichten überhaupt ein Hit wurden, liegt an der phantastischen Gestaltung der Auferstehung, ohne die es nicht zur Gründung der christlichen Kirche gekommen wäre. Je ferner die Menschen dem örtlichen Geschehen waren, um so leichter wurden die Geschichten ausgesponnen (Thomasevangelium) und zum Wunsch-Bild der Verfasser. Von den Aposteln wird ein Christus-Bild entworfen, das nicht nur den historischen Märtyrer zum Gott macht, sondern auch sie selbst als Zeugen seiner Wiederkehr erhöht. Das Grab muß leer sein, sonst wäre Jesus nur einer von zahlreichen manischen Moralpredigern. Deshalb fertigen die christlichen Minahasa zu Ostern eine Menge Höhlen aus Schrott an – und die sind alle leer. Na sowas! Dieses neue Produkt ist der Sohn Gottes, aber auch Gott selbst, ebenso wie der Heilige Geist. Um das zu begreifen, muß man einen geistigen Salto mortale nach dem anderen absolvieren und extra eine Trinitätslehre entwickeln (ouisia und hypostasis). Jesus kann nicht nur fernheilen, er geht auch auf dem Wasser und durch verschlossene Türen. Ab und zu schaut er noch heute bei den Minahasa vorbei. Er ist also irgendwie pneumatisch, schon weil er nicht auf die übliche Art gezeugt wurde. Warum er einen Feigenbaum verfluchen mußte, der alsbald verdorrte, nur weil jener gerade keine Früchte trug, bleibt völlig rätselhaft. Damit keiner auf die Idee kommt, auch dieser Mann wäre nur ein falscher Messias gewesen, bürdet man ihm wie einem Opferlamm die Sünden der Menschheit auf, für die er stellvertretend büßte. Eine doppelte Regression zum Menschen-Opfer! Nicht mal der Ort seiner Ostererscheinung ist widerspruchslos benannt worden. Nach mindestens 40 Jahren kann man schon mal was durcheinanderbringen – oder dazudichten.

Das alles hab ich meinem damaligen Popen nich erklärt, der mich durchs Abitur rettete (Gepriesen sei er, der Gute, und Dank ihm in der Höhe!). Ich hatte davon gakeine Ahnung, und es interessierte mich auch übahaupt nich.

Foto: Herbert Achternbusch in „Das Gespenst“ (1982). 1983 formierten sich in München über tausend katholische Pfadfinder zu einer Sühneprozession, bei der sie für den Sünder Achternbusch um Vergebung baten.

Ein Gedanke zu „Klage gegen einen Kadaver III

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s