Jägerlatein

wangerooge57

Die eigene Fachsprache von Jägern und echten Natur-Freunden kann auf lautmalerische Weise ein Naturereignis anschaulich und hörbar machen. Etwa wenn ein Fasan aus dem Busch „gockt“. Hermann Löns hat dies bis zum Überdruß betrieben. Auch wenn ein Wanderfalke auf dem Astzacken einer einsamen Feldeiche „blockt“, stellen sich noch vertraute Erinnerungsbilder ein. Doch wenn ein Reh aus der Schonung „poltert“, stimmt was nich. Rehe vermeiden sowas. Wenn der Förster den Drilling auf den Rücken „wirft“, hofft man, daß die Waffe wenigstens gesichert ist. „Läuft“ die junge Saat über den feucht-dunklen Acker – und der Bauer hinterher? Wen „schlägt“ der Buchfink? Was „läutet“ die Kohlmeise in der Hecke? Wo geht die Schnepfe auf den „Strich“? Was geschieht mit der großen Schar Vögel, die noch draußen auf dem Meere „liegt“? Die Singdrossel „fällt mit lautem Tatü-tatü ein“? Alarm! Besonders wenn der Strom „kentert“, weil die Flut einsetzt. Wie politisch ist der Pirol, der „Bülow-bülow“ ruft? Der Kleiber hilft der Kohlmeise beim „Läuten“, und der Grünspecht „lacht schallend“ (darüber?). Doch wirklich anrührend muß die Szene bei der Beerdigung des verdienten Vogelwarts Johannes Thienemann gewesen sein, der 1901 die Vogelwarte Rossitten in Ostpreußen gründete. Jener versorgte nicht nur die ganze Gegend mit einem fast täglichen Gutenachtgruß mittels seines Jagdhorns, er war auch gemütlich eingerichtet: „Jagdmesser und anderes Jagdgerät, beachtliche Gehörne, selbstgewonnenes Pelzwerk und selbstgesammelte Spazierstöcke verliehen der häuslichen Ausstattung etwas Anheimelndes.“ Und als er 1938 im 75. Lebensjahr zu Grabe getragen wurde, „kreiste minutenlang ein Seeadler im Jugendkleid auffallend niedrig über dem Trauerzug“ mit dem „Entschlafenen“, obwohl Seeadler keine typischen Aasfresser sind.
Übrigens flogen sich in der nebligen Nacht vom 10. auf den 11. September 1948 Hunderte von Vögeln am Empire State Building in New York zu Tode und wurden am Morgen auf der Straße zusammengekehrt.

balgsammler

Quelle: Rolf Dircksen, „Vogelvolk auf weiter Reise“, 1951
Fotos:
Wangerooge 1957
Professor Dr. Drost, Vogelwarte Helgoland

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