Natur als Kathedrale

John_Muir1875

John Muir (1838-1914) gilt als nationaler Held, der die Natur Nordamerikas durch die Förderung von geschützten Natur-Parks vor dem völligen Untergang bewahrte. Wenn diese Parks heute mit Golf-Plätzen, Pools und Hotels ausgerüstet sind, so wurde doch durch Muirs Intervention auch auf eine „schonende“ Ausbeutung verzichtet und die Ursprünglichkeit weitgehend erhalten. Während sein Vater alles, was vom Bibel-Studium ablenkte, als frivol und strafwürdig ansah, war für seinen Sohn das konventionelle Märchen vom Schöpfer „as purely a manufactured article as any puppet of a half-penny theater“. Er bevorzugte eine direktere Erfahrung der „göttlichen“ Natur, die er durchaus glorifizierte, wenn er auf seinen ausgedehnten Wanderungen lieber im Freien als unter einem Dach schlief: “Only by going alone in silence, without baggage, can one truly get into the heart of the wilderness … No amount of word-making will ever make a single soul to ‚know‘ these mountains. One day’s exposure to mountains is better than a cartload of books.“ Dabei übersah er, daß er nicht der Entdecker war. Wie auch David Thoreau, als dessen Schüler er sich bezeichnete, hatte Muir anfangs wenig für die Ureinwohner übrig. Deren Schmutz, Faulheit und Unterentwicklung stießen ihn ab. “He totally missed the beauty and knowledge that Native American culture could offer, and what that could add to his own world view.” Was vielleicht nur ein Mythos ist, denn höher entwickelte Stämme hatten keine Probleme damit, rückständige auszurotten. Auch war es nicht unbedingt ein Vorteil, Totem-Tier zu sein. Als heilig angesehen, wurde es bloß „feierlich“ umgebracht, und es gab eine Menge Bedarf an Feder-Schmuck. Wenn die Indianer Amerikas die Natur nicht so schändeten wie nach ihnen die Weißen, so lag das eher an ihrer geringen Anzahl und der unterentwickelten Tötungs-Technologie anstelle eines etwaigen ökologischen Bewußtseins. Im Gegensatz zu der oft beschriebenen Grausamkeit, mit der Indianer mit Tieren umgingen, setzte sich Muir sehr für die Erhaltung der natürlichen Fähigkeiten von Tieren ein und war ein großer Gegner der Domestizierung. Domestizierte Tiere hielt er für seelenlos und nur halb lebendig.

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