Jeder stirbt für sich allein

hampelkarte

Sie kriegen es einfach nich hin. Warum sind deutsche Filme oft so bemüht, so ungenießbar hölzern und blutleer? So wie „Alone in Berlin“ (2016), immerhin eine internationale Produktion, die auf dem schon mehrmals verfilmten letzten Roman „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada (1893-1947) beruht. Fallada, schon schwer durch Morphium-Sucht gesundheitlich ruiniert, schrieb die Erstfassung des umfangreichen Romans 1946 in 24 Tagen. Anstoß dafür waren Akten der Gestapo über das Berliner Arbeiter-Ehepaar Elise und Otto Hampel, das nach dem Kriegstod von Elises Bruder anfing, Agitations-Karten gegen das Nazi-Regime in Berlin zu verteilen. Otto wurde dafür wegen Wehrkraftzersetzung guillotiniert, Elise starb im Gefängnis durch einen alliierten Bombenangriff. Was für eine spannende und seltene Geschichte über den deutschen Widerstand während der Nazi-Zeit. Falladas fiktiver Roman gehört zu seinen besseren Büchern, auch wenn ihm die Nazis zu Karikaturen geraten. Im Film wird dann die letzte Komplexität auf das Notwendigste reduziert, und die Bösen zu Comic-Figuren. Das verlangt offensichtlich der internationale Geschmack, weshalb ich mich oft darüber wundere, daß Deutsche hier so angesehen sind. Doch widersetz dich mal kriminellen Wilden, dann bist du gleich Nazi, Preuße und Lehrer. Im Film wird ein Polizei-Kommissar von einem SS-Offizier in dessen Büro vor Zeugen blutig geschlagen und anschließend die Treppe hinunter auf die öffentliche Straße geworfen. Eine absolut kindische Idee. Ich weiß nicht, ob sie von Fallada stammt, da ich sein Buch leider nicht gelesen habe. Schon die Eingangs-Sequenz des Films, die den Tod des Sohnes zeigt, weist eher auf ein zu knappes Budget. Wer da wen beschießt, blieb mir rätselhaft. Sehr sorgfältig wird dann das bestürzende Thema zum Kostüm-Film verseichtet, und liebevoll die Mandel-Mühle, die ich als Kind bedienen durfte, ans Fensterbrett geklemmt. Um zu mahlen, müßte man wohl das Fenster öffnen. Auch ein gerahmter Dompfaff an der Zimmerwand der Widerständler kam mir bekannt vor. Die Wohnungs-Einrichtung eher gehoben bürgerlich als proletarisch, obwohl der proletarische Hintergrund schon durch das falsche Deutsch der subversiven Karten deutlich wird. Ganz daneben dann der „Sauerkraut Sound“ der Schauspieler. Die Sprachkunst des Romans geht jedenfalls völlig verloren. Ich habe ja das Glück, hier Raubkopien ohne Synchronisation für 70Cent kaufen zu können. Leider sind Filmkunstwerke nur selten darunter. „Alone in Berlin“ ist sicher keins. Mit deutscher Synchronisation eventuell noch unwirklicher. Nur übertroffen durch das lachhafte „Deutsch“ ausländischer Schauspieler. Die Straßen-Szenen mit schönen, sehr sauberen alten Autos wie auf der Bühne. Viel wird demonstrativ mit „Heil Hitler“ gegrüßt. Eine weitere verpaßte Chance der Aufarbeitung, und so bekam der Film nur überwiegend negative Kritiken. Elise und Otto Hampel werden nicht mal im Abspann erwähnt, und auch bei Wikipaedia gibt es für sie nur eine englische Seite.

eliseottohampel

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Bundeswehrkraftzersetzungsfälschung

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