Schiffbruch

blechschiff

In meiner Kindheit standen diese Blechschiffe der 1865 in Kiel gegründeten Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger besonders in Kneipen auf dem Tresen, waren jedoch nicht zum Spielen sondern zum Geldsammeln gedacht. Auch Lehrer sammelten – ebenso für den Tierschutz – im Unterricht, und meine Eltern gaben mir das Spenden-Geld, weil sie immer in Sorge waren, daß ich mich isolieren könnte. Ich hab es trotzdem getan – das Isolieren. Zwar kam es in Hildesheim selten zum Schiffbruch, doch wußte man ja nicht, ob sich eine Spenden-Verweigerung irgendwie auf die Zensuren auswirken würde. Von dem Geld für den Klingel-Sack in der Michaelis-Kirche hab ich mir lieber Pfefferminz gekauft. Das Schiff fiel mir ein, als ich über die Umwertung des Begriffs Seenot nachdachte (Rausfahren, wenn andere reinkommen!“). Heutzutage werden Schiffbrüchige außerhalb der 12-Meilen-Zone erwartet, die mit vorsätzlichem Leichtsinn eine illegale Einwanderung erzwingen wollen, 16jährige retten das Klima durch Schwänzen, der ermordete Regierungspräsident Lübcke wollte Kritiker loswerden, die seine Wertvorstellungen nicht teilten und dafür Menschen reinlassen, die jene gar nicht kennen, und es hat 71 Jahre gedauert, bis ich aus dem Mund der Kriegsministerin von der Leyen den Begriff „gute Fehlerkultur“ hörte. Deshalb will man sie ja wohl jetzt auch mittels Beförderung loswerden.
Durch meine lange Abwesenheit setzen sich die medialen Bruchstücke aus D zu einem Panoptikum zusammen, das ich nicht mehr an der Wirklichkeit überprüfen kann, aber als ich in meiner Studienzeit regelmäßig den „Spiegel“ las, drohte die Welt schon damals wöchentlich unterzugehen. Heute versucht der „Spiegel“ HP-Spiele zu puschen, die so primitiv erscheinen, daß sie auch für Hirngeschädigte geeignet sind. Genau sowas spielen erwachsene Wilde hier im mikro. Dabei scheint sich niemand um den Weltuntergang zu sorgen – abgesehen von den Adventisten und ähnlich Verwirrten.

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