Das urhebende Worthörnchen

mosemaennin

In kleinen Sprüngen huscht das Worthörnchen flink über den Erdboden. Mit kurzen Sätzen klettert es scheinbar mühelos am Stamm einer Birke empor. Geschickt eilt es durch das Geäst, läuft über einen Querast, wippt ein paarmal mit demselben auf und ab und springt dann mit einem gewaltigen Satz wie ein Zirkus-Artist zur benachbarten Eiche hinüber. Aus deren Krone läuft das Worthörnchen kopfüber wieder am Baumstamm herunter. Wie kommt es, daß das Worthörnchen ein so wendiges und sicheres Klettertier ist? Ich könnte das nich. Als Erbe eines der drei Urheber des Worthörnchens steht mir jedoch aus der Vervielfältigung, Verbreitung und öffentlichen Zugänglichmachung des Worthörnchens in Sammlungen für den Kirchen-, Schul- und Unterrichtsgebrauch eine angemessene Vergütung zu. Das hat mir Theresa aus der Abteilung Schul-, Kirchen- und Blindenbuch der Verwertungsgeselllschaft WORT schriftlich versichert. Das Worthörnchen, das im Moor wohnt, wo ich es früher immer bei seinen waghalsigen Sprüngen beobachtete, bekommt nichts. Deshalb muß es im Herbst Eicheln im Waldboden vergraben, die es oft nich wiederfindet, obwohl es nich blind iss. Das geht mir auch so.
Was machen eigentlich Kirchen mit nem Worthörnchen? Nachdem Gott Himmel, Erde, Wasser, Licht, Fische und Vögel geschaffen hatte, baute er u.a. auch 2 Worthörnchen. Und Gott sah, daß sie gut waren. Danach bastelte er noch einen Mann und eine Männin. Das war nich so gut, weil die Männin eines Tages im Garten Eden von einem Wort-Hörnchen verführt wurde, die Eicheln heimlich auszugraben und Oluwatofunmi Olukayode Onakoya, Diamond Onyedikachi Emma Ajali und Damilola Shadia Adenuga zu schicken. Die Eicheln waren aba nich verloren, denn sie wurden von Harry, dem Romance-Scammer, genutzt, den allerdings Gott verfluchte, für den Rest seines Lebens Staub zu fressen. Jedoch verloren der Mann und die Männin auf diese Weise die Harmonie in ihrem Garten.

D geht unta

Erika

Was für ein niedliches Foto! Erinnerte mich gleich an unseren ersten Besuch im Heimat-Dorf meiner Frau, wo ich jetzt lebe. Begeisterung löste unser kleiner Sohn aus, ständig umringt von einem Schwarm von Fans. Und der Text dazu? Darüber kann ich nur lachen. Stellt euch mal vor, wie schön das wäre, wenn die Mädchen in D so braun, bunt und feminin herumliefen, anstatt fett, langweilich und unzufrieden. Über dieses von Erika Steinbach getwitterte Foto gibt es Aufregung? Haben die Grünen nun endgültig die humorlosen Positionen der päpstlichen Diplom-Empörer übernommen? Unter Wirklichkeits-Verlust leiden sie ja schon länger. Inzwischen so unsensibel für Satire wie steinzeitliche Islamisten?
Das Problem scheint mir eher darin zu liegen, wie in einer extrem aufgeheizten Stimmungslage die rechtskonservative Dame Steinbach mal wieder einigen auf die Füße tritt. Sie als Vertriebenen-Sprecherin einzusetzen, „die mit Hitler in unser Land kam und mit Hitler wieder gehen mußte“ (polnische Kritik), war schon kühn. Überhaupt haben die Rechten dem Anliegen der Vertriebenen eher geschadet. Das „Ostpreußenblatt“ war dafür ein abstoßendes Beispiel. Man sollte es ihnen nicht überlassen, darauf hinzuweisen, daß Polen kein Recht auf Stettin besitzen und Russen nicht auf Königsberg. „Man kann nicht für einen Vertrag stimmen, der einen Teil unserer Heimat abtrennt.“ (Steinbach). Das Erinnern an historische Wahrheit ist kein Revanchismus. Doch wirkt diese Diskussion genauso vergiftet wie das Problem der ausländischen Flüchtlinge in D. Sachliche Auseinandersetzung scheint kaum noch möglich. Wer mal heftigen Rassismus kennenlernen will, der sollte sich in den Heimatländern dieser Flüchtlinge umsehen. Da ist einer aus dem nächsten Dorf oft schon der Fremde. Und ich stürze sofort vom Star-Sockel, wenn ich mich kritisch über die Wilden äußere oder sie sogar an ihre Gesetze erinnere. Wer hätte sich vorstellen können, wie das Erbe meiner Vorfahren einmal zu einem erheblichen Teil in den Taschen indonesischer Betrüger und Wucherer landen würde.
„Ich lerne (ja, ich kann noch lernen), daß die Geschichte nicht bloß eine Aufeinanderfolge von Übeln ist, die einer wie ich nur ohnmächtig schmähen kann – sondern auch, seit jeher, eine von jedermann (auch von mir) fortsetzbare, friedensstiftende Form … Meine Geschichte (unsere Geschichte, ihr Leute) soll hell werden, so wie der Augenblick hell war; – sie durfte bisher ja noch nicht einmal anfangen: als Schuldbewußte, zu niemandem gehörend, auch nicht zu den anderen Schuldbewußten, waren wir außerstande, in der friedlichen Menschheitsgeschichte mitzuschwingen, und unsere Formlosigkeit bewirkte nur immer neue Schuld. Zum ersten Mal sah ich soeben mein Jahrhundert im Tageslicht, offen zu den anderen Jahrhunderten, und ich war einverstanden, jetzt zu leben.“
(Peter Handke, „Langsame Heimkehr“, 1984)

Genossenschaftliches Tischgebet

FebJulAugOkt

Wer nicht schafft,
soll keine Rente kriegen,
laß uns, Herr, das nie verbiegen.
Laß uns alle, groß und klein,
treu in der Gewerkschaft sein!
Gib der Arbeit deinen Brägen,
bis wir einst uns müde schuften,
und – bevor wir in die Grube gruften –
am 1.Mai uns‘re Arbeit niederlägen.

sehr frei nach Paul Kästner
Abb. aus „Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen“, 1949