Bunt Gestiftetes in Schwarzweiß

Flieger-70

Flieger-2.70

Schlagring-70

Hirsch

Schuss-71

Geschenk 71

Advertisements

Naturzeichen

mit-Knochen-66

Aus Frankreich bringe ich mir Knochen und Wurzeln mit, die zu Motiven meiner Bilder werden. So weit habe ich die „Naturzeichen“ von Heinz Burkowitz inzwischen doch verinnerlicht. Mein Kunsterzieher Wolfgang Knipper empfiehlt mir, mich mit einer meiner Federzeichnungen 1966 an der Ausstellung des Bundes Bildender Künstler in Uelzen, der Stadt der Zuckerrübe, zu beteiligen, obwohl ich nicht Mitglied bin. Kunsthistoriker Dr. Volkmar Köhler weist in der Eröffnungsrede auf die Sinnlosigkeit der Versuche der Ewiggestrigen hin, die Zeit und Entwicklung zurückhalten möchten, zitiert Herders Postulat, „daβ der Künstler ein Prediger der ‚Tugend‘ seines Zeitalters zu sein habe“, und daβ wir seit Sigmund Freuds Zeiten wüβten, „aus welchen Schichten die vermeintlich klar beherrschte Einheit des Individuums besteht“. Nicht mehr die Wiedergabe, sondern ein Sein würde verkörpert. „Es lebe das Leben!“ wie die Dadaisten aufschrien. Und daβ sich unsere Erlebnisdimension ÜBER DEN ERDBALL ausweite, „dabei die Dinge unserer Umwelt simultan zusammentreten und über ihren Eigenwert hinaus einen neuen Zusammenklang bilden“. Meine Federzeichnung heiβt „Snake-Pit“. Mein Opa und „Tantchen“, seine Schwester, kommen auch.
Bemerkenswert war, daß ich gerade an der Zeichnung arbeitete, als uns Knipper mit seiner hübschen Frau besuchte. Ich wollte den unteren Bereich noch vollwuseln, aber die beiden meinten, ich solle einfach aufhören und den Platz freilassen. Das stimmte und wurde mir erst in dem Moment bewußt: Man muß auch mal aufhören mit dem Wuseln.

BBK-Uelzen-66

Ausstellendes Mitglied der Jury, die „sehr streng geurteilt“ hat, ist u.a. der Uelzener Maler Ernst Pingel (1907-79), der mit seinem Kunstharz-Bild „Süchtiger“ rechtzeitig vom Pferde-Sujet zum Zeitgeist übergelaufen ist. Auch sonst findet man in solchen Gruppen-Ausstellungen immer wieder Nachahmungen dessen, was in der Kunst-Szene gerade anerkannt ist: Ein Klee? Ach nein, nur ein Klaus Wilhelm! Die Möglichkeiten, Originelles zu entwickeln, werden leicht überschätzt, das läßt sich auch in der neuen Musik hören.

Pingel-Suechtiger

Jungkünstler

Jungkuenstler-Hi-66

Entscheidend wird für mich die Konfrontation mit Kunsterzieher Wolfgang Knipper (*1934 Menteroda), der mich u.a. in seinem Atelier arbeiten läßt, wo ich mich zum ersten Mal an Radiernadel und Säure versuche. Ein Typ mit Vollbart, der einer Oberammergauer Passionsspiel-Truppe entsprungen sein könnte. Seine Arbeiten faszinieren mich und öffnen mir die Augen. Auch gefällt mir sein Lebensstil.

Wolfgang-Knippers-Mikrokosmos

Völlig ungegenständlich lassen seine Radierungen den Betrachter unendlich Formen entdecken und zusammensetzen wie in einem Rohrschach-Test. Seine oft großformatigen Gemälde scheinen nur einem sehr allgemeinen Konzept zu folgen, dann im Detail läßt er sich treiben vom Zufall und dem Mikrokosmos seiner Phantasie. Seine Schüler müssen Linolschnitte („Schildkröte von oben“) anfertigen, er klatscht die Platten auf die Leinwand und malt drauf los. Keine Kröte wie die andere. Von ihm lerne ich, mir billige Malgründe aus mit Leisten verstärkter Preßpappe anzufertigen, und dann geht es auch bei mir richtig los.

Kuenstler-66

Das bekleckste Packpapier, mit dem Knipper den Tisch der Tiefdruckpresse in der Werkkunstschule Hildesheim abdeckt, benutze ich für eigene Grafik. Ich beschmiere Glasplatten zufällig mit Farbe, klatsche sie auf das Packpapier und decke es mit Skribtol und Goldfarbe teilweise ab, so daß aus dem Fleck entwickelte, mehr oder weniger gegenständliche Figuren sichtbar werden. Mit diesen Arbeiten werde ich problemlos von der Kunsthochschule Braunschweig angenommen. Erhalten ist mir davon nichts, außer diesem Glas-Dia, bei dem ich direkt auf die kleine Scheibe gemalt habe.

Kleisterfigur--66