Selbstvertrauen

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„Wer ein Mensch sein möchte, muß Nonkonformist sein … Ich sollte aufrecht und stark einhergehen und überall die ungeschminkte Wahrheit sagen … Mein Leben steht für sich selbst; es ist kein Schaustück … Der Einwand gegen die Anpassung an Gebräuche, die tot für dich sind, besteht darin, daß Anpassung deine Kraft verschwendet. Sie ist Zeitvergeudung und verwischt das Gepräge deines Charakters … Wenn ich deine Sekte kenne, kenne ich deine Argumente im voraus … Nun, die meisten Menschen haben ihre Augen mit irgendeinem Tuch verbunden und sich einer jener Meinungsgemeinden angeschlossen … Für Nonkonformismus straft die Welt dich mit ihrem Mißfallen … tue jetzt das Richtige. Mißachte immer den äußeren Schein, und du wirst es immer können … Das Leben allein ist zu etwas nütze, nicht das Gelebthaben … So sammelt sich alles: wir wollen nicht umherschweifen, sondern mit dem Urgrund zu Hause bleiben … Wir müssen alleine gehen … Warum sollen wir die Fehler unserer Freunde, Frauen, Väter oder Kinder annehmen, nur weil sie um unseren Herd sitzen oder angeblich das gleiche Blut haben? … Zügele jene verlogene Gastfreundlichkeit und verlogene Zuneigung. Lebe nicht länger nach den Erwartungen jener betrogenen und betrügerischen Menschen, mit denen wir umgehen. Sage ihnen: O Vater, o Mutter, o Frau, o Bruder, o Freund, mein bisheriges Leben mit euch war ein Scheinleben. Von nun an gehöre ich der Wahrheit … Wenn ihr wahr seid, aber nicht in der gleichen Weise wie ich, dann bleibt euren Genossen treu; ich werde meine eigenen suchen … Wir brauchen Männer und Frauen, die das Leben und unseren gesellschaftlichen Zustand erneuern werden, aber wir erkennen, daß die meisten Menschen bankrott sind, ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können, einen Ehrgeiz haben, der weit über ihre praktischen Kräfte hinausgeht, und Tag und Nacht unablässig betteln und sich unterstützen lassen … Aber das Gebet als ein Mittel, um private Zwecke zu erreichen, ist Gemeinheit und Raub … So wie die Gebete der Menschen eine Krankheit des Willens sind, so sind ihre Glaubenslehren eine Krankheit des Intellekts … Die Seele ist kein Reisender; der Weise bleibt zu Hause … Wer um des Vergnügens willen reist oder um etwas zu erlangen, was er noch nicht hat, der reist von sich selbst weg … Reisen ist ein Narrenparadies … Doch die Reisewut ist ein Symptom einer tieferen Ungesundheit, die jede intellektuelle Regung beeinflußt … Beharre auf dir selbst; ahme niemals nach … Jedermann brüstet sich mit der Verbesserung der Gesellschaft, und niemand wird besser … Die Gesellschaft macht niemals Fortschritte … sie erlangt neue Kunstfertigkeiten und verliert alte Instinkte … Es gibt heute keine bedeutenderen Menschen als früher … Die Nachteile verbesserter Maschinen können deren Vorteile aufwiegen … Nur wenn der Mensch alle fremde Unterstützung ablegt und allein dasteht, sehe ich ihn erstarken und den Sieg davontragen … Nichts kann dir Frieden bringen als du selbst. Nichts kann dir Frieden bringen als der Sieg der Prinzipien.“

Ralph Waldo Emerson (1803-82), „Selbstvertrauen“, 1848

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Warum verließ sie ihn?

Anahareo

„Anstrengungen binden und formen eine Gefährtenschaft, die Behagen nie bewirken kann.“ Walter Bauer, „Wäscha-kwonnesin – Der weiße Indianer“

Archibald Belaney (1888-1938) war ein Hochstapler wie Karl May und Petra Hinz. Er trat in Kanada unter dem Namen Wäscha-kwonnesin (Grey Owl) als Halbblut auf, angeblich Sohn eines Schotten und eines Apachen-Mädchens. Tatsächlich wurde er als Engländer an der Kanalküste geboren. Doch das Trapper-Leben in den Wäldern machte ihn zu dem, was er sich erträumt hatte. Kanada „war ein Land, in dem man erwachte. Aber man wußte es erst, wenn man ankam … Langsam erhielt er Spuren des Wissens zurück, das in den Zeiten des Morgengrauens menschlicher Geschichte jeder besessen hatte … Hier wurde man stärker – wenn man es wollte“. Es gelang ihm, das Alleinsein zu ertragen, das der natürliche Zustand in den Wäldern war. Er versuchte, zur Einheit des Lebens zurückzufinden und sich wie ein Indianer in der Natur geborgen zu fühlen. Es war ein Verlangen nach einfachem Leben, das seine Gesetze sichtbar zeigte, frei von den Verfälschungen und Lügen der Zivilisation. ER war der Wilde und nicht seine junge Mohawk-Iroquois Gertrude Bernhard oder Anahareo, die in einem Hotel gearbeitet hatte und katholisch erzogen worden war. Zwar brachte sie ihn dazu, sich vom Jäger zum Tierschützer zu entwickeln, doch fand sie sein Leben nicht so romantisch wie im Kino. Immer nur mit Bibern reden, hielt sie nicht aus. Seinen Suff schon gar nicht. Da wollte sie lieber wieder das gesellige Leben einer Kellnerin führen und verließ ihn mit der gemeinsamen Tochter. „Manchmal wurde es dem einen klar, daß er etwas wollte, was ihm der andere nicht geben konnte. Aus einem winzigen Riß von Fremdheit wurde ein Spalt, dann ein Abgrund.“
„Es war schwerer, allein zu sein, wenn vorher jemand dagewesen war … er fühlte sich stumpf und leer. Anahareo hatte ihm viel mehr gegeben, als sie je würde wissen können. Ohne sie wäre in seinem Leben alles anders gegangen.“ Nun lebte er weiter, wie er leben wollte. Wie vorher saß er wieder lange in der Stille der Wälder und beobachtete die Tiere – allein, aber nicht mit dem Gefühl von Einsamkeit. „Wenn man allein ist, sieht man die Dinge in ihrer Tiefe; man lebt intensiver.“ Dies war seine Welt, nicht die der Wilden, die alles Künstliche exotisch finden und glauben, ohne 2 Handphones nicht mehr leben zu können.
Mit 50 versuchte er es noch mit einer jungen Halbblut-Indianerin, doch starb er als ein für Naturschutz kämpfender Schriftsteller an Lungenentzündung.

Zieht das deutsche Künstler-Ehepaar Durstewitz von Hamburg aufs Land nach Schneverdingen, bekommt die Frau die Krise: „Wenn ich eine Woche mal nicht in Hamburg war, habe ich das Gefühl: Ich muß da jetzt hin!“
STÖHN!

Natur als Kathedrale

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John Muir (1838-1914) gilt als nationaler Held, der die Natur Nordamerikas durch die Förderung von geschützten Natur-Parks vor dem völligen Untergang bewahrte. Wenn diese Parks heute mit Golf-Plätzen, Pools und Hotels ausgerüstet sind, so wurde doch durch Muirs Intervention auch auf eine „schonende“ Ausbeutung verzichtet und die Ursprünglichkeit weitgehend erhalten. Während sein Vater alles, was vom Bibel-Studium ablenkte, als frivol und strafwürdig ansah, war für seinen Sohn das konventionelle Märchen vom Schöpfer „as purely a manufactured article as any puppet of a half-penny theater“. Er bevorzugte eine direktere Erfahrung der „göttlichen“ Natur, die er durchaus glorifizierte, wenn er auf seinen ausgedehnten Wanderungen lieber im Freien als unter einem Dach schlief: “Only by going alone in silence, without baggage, can one truly get into the heart of the wilderness … No amount of word-making will ever make a single soul to ‚know‘ these mountains. One day’s exposure to mountains is better than a cartload of books.“ Dabei übersah er, daß er nicht der Entdecker war. Wie auch David Thoreau, als dessen Schüler er sich bezeichnete, hatte Muir anfangs wenig für die Ureinwohner übrig. Deren Schmutz, Faulheit und Unterentwicklung stießen ihn ab. “He totally missed the beauty and knowledge that Native American culture could offer, and what that could add to his own world view.” Was vielleicht nur ein Mythos ist, denn höher entwickelte Stämme hatten keine Probleme damit, rückständige auszurotten. Auch war es nicht unbedingt ein Vorteil, Totem-Tier zu sein. Als heilig angesehen, wurde es bloß „feierlich“ umgebracht, und es gab eine Menge Bedarf an Feder-Schmuck. Wenn die Indianer Amerikas die Natur nicht so schändeten wie nach ihnen die Weißen, so lag das eher an ihrer geringen Anzahl und der unterentwickelten Tötungs-Technologie anstelle eines etwaigen ökologischen Bewußtseins. Im Gegensatz zu der oft beschriebenen Grausamkeit, mit der Indianer mit Tieren umgingen, setzte sich Muir sehr für die Erhaltung der natürlichen Fähigkeiten von Tieren ein und war ein großer Gegner der Domestizierung. Domestizierte Tiere hielt er für seelenlos und nur halb lebendig.

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