Diskriminierung des Klippdachses

klippdachs

Zu den populären Irrtümern gehört, Rassen-Diskriminierung wäre per se negativ. Übahaupt nich! Jeder Klippdachs denkt da ganz anners. Keina weiß, wieso man ihn, ebenso wie den Hasen, laut 3. Buch Mose (11, 5) nich essen darf. Beim Hasen issas ja klar: Als bedeutendes Element christlicher Ikonographie isser für die Auslieferung von Jesus seine Ostaeia verantwortlich. Somit unverzicht- und nich eßbar. Aba der kaninchengroße Klippdachs? Was macht der schon mit seinem verkümmerten Schwanz? Er kann nich ma wie der Pfeifhase pfeifen. Auch seine Verwandtschaft zu Elefanten und Seekühen fällt kaum auf. Dafür kann er stundenlang direkt in die Sonne blicken. Ich könnte das nich. Riecht er vielleicht etwas streng? Früher hat man seine Pisse (Hyrazeum) als Wundamittel gegen Nervenleiden benutzt. Vielleicht wär das was für Roger, den Australier. Als adventistischer Missionar und Heila nimmt er die Regeln der Bibel wörtlich, iss Vegetarier und sehr krank. Nich nur in seina Lunge sondern auch geistich, weil er sich üba die unverschämten Wilden noch mehr ärgert als ich. Aba der Klippdachs hat genauso wie die Ohreule, der Sturzpelikan, der Zab, die Anaka, der Koah, die Letaa und der Homet übahaupt nix gegen seine Verewigung inner Bibel als unreines Tier. Das hilft ihm nämlich beim Übaleben. Kannste richtich sehn, wie froh ihn das macht. Wascheinlich kommta nich ma innen Himmel.

Procavia-capensis

Wie Engel wirklich sind

engelfuss

Ich beschäftige mich gerade viel mit der Bibel. Kann ja nich schaden, besonders wenn man sonst nix Vernünftiges zum Lesen hat und sowieso bald tot iss. Und wenn man sowas studiert, kommt man latürnich vom Hundersten ins Tausendste. Denn muß man auch ma kucken, was die Juden sonst noch gedacht und geschrieben ham. Dabei entdeckt man imma was Neues, was man noch ganich wußte. Zum Bleistift Engel. Ich hab wirklich fast 68 Jahre gebraucht, bis ich bemerkte, wie Engel WIRKLICH aussehen. Ich fand das in einem jüdischen Gebets-Schema mit dem Hinweis auf Ezechiel 1, 5-22:

„Es begab sich … als ich am Fluß Chebar unter den Verbannten war, da tat sich der Himmel auf, und ich sah göttliche Gesichte … Und mitten drin erschienen Gestalten wie von vier lebenden Wesen; die waren anzusehen wie Menschengestalten. Und ein jedes hatte vier Gesichter und ein jedes vier Flügel. Ihre Beine waren gerade, und ihre Fußsohle war wie die Fußsohle eines Kalbes, und sie funkelten wie blankes Erz. Unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten hatten sie Menschenhände, … Ihre Gesichter aber sahen so aus: ein Menschengesicht nach vorn bei allen vieren, ein Löwengesicht auf der rechten Seite bei allen vieren, ein Stiergesicht auf der linken Seite bei allen vieren und ein Adlergesicht bei allen vieren nach innen. Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgespannt bei allen vieren; bei einem jeden berührten sich zwei Flügel mit denen der anderen, während zweie ihre Leiber bedeckten … Weiter sah ich neben jedem der vier lebenden Wesen ein Rad auf dem Boden … und die vier Räder waren so gearbeitet, als wäre je ein Rad mitten in dem andern. Sie konnten nach allen vier Seiten gehen, ohne sich im Gehen zu wenden. Und ich sah, daß sie Felgen hatten, und ihre Felgen waren voll Augen ringsherum … Und über den Häuptern der lebenden Wesen war etwas wie eine feste Platte, schimmernd wie furchtbarer Kristall, hingebreitet oben über ihren Häuptern.“

Da biste platt. Ich mein, damals, als ich noch sehr viel kleina war, hab ich ma meine Cousine Eve gefragt, ob Frauen wirklich 1 Rippe mehr hätten, weil ja Eva aus eina Rippe von Adam – na ja, du weißt schon. Da hattse mir versichert, daß das nich der Fall sei. Sie mußte das ja wissen. Doch daß Engel EINEN Kalbsfuß besitzen, wer hätte DAS gedacht. Normalaweise kommt sowas doch nur bei Teufeln vor. Aba die jüdische Quelle übersetzt: „Ihre Beine waren ein gerades Bein.“ Wenn das die Engel-Gruppe wüßte, mit der ich mich ma bei Yahoo auf meiner Irrfahrt durch entstehende und untagehende Blog-Plattformen angelegt hatte. Die fielen üba mich her wie Teufelinnen. Wascheinlich hamse gleich gemerkt, wie ich sie für doofe Kaffeetanten hielt. Aba nu iss die ganze Warheit aufem Tisch. Endlich! Kann latürnich auch sein, daß bei diesem Ezechiel so einige Räder in der Offenbarung locker warn. Nichts Genaues weiß man nich. Iss ja alles schon so lange her. Und denn sind Engel auch nich ungefährlich:

„… Wenn ich hereinkam, hatten die Nonnen mit dem Erzengel immer schon alle Hände voll zu tun. Der Erzengel mußte eine Stunde früher erscheinen als alle anderen Engel, denn es war jedes Jahr wieder ein großes Trara, die Flügel festzumachen. Einmal hatten sie sich während der Prozession gelöst und waren einem der kleineren Kinder vor die Füße gefallen, die mit dem Erzengel durch Bänder verbunden waren. Das Kind war über die Flügel gestolpert und für immer lahm geblieben.
Man könnte vom Glauben abfallen, wenn man so etwas hört.“
Connie Palmen, „Die Gesetze“, 1991

erzengel

„Erzengel mit Arquebuse“, Peru, 18.Jahrhundert

Klage gegen einen Kadaver IV

wiclifburns

Der Mißbrauch

Zuerst leiden die neuen Heiligen der Diaspora, weil jede staatliche Organisation sich gegen eine fundamentalistische Gruppe wehren muß, die sich selbst zur Weltherrschaft verpflichtet hat. Das geschah ebenso in Japan und geschieht gerade in Länder wie China und Indonesien. Die scheinbare Religion der Liebe bleibt gerade solange relativ sanft subversiv, bis sie sich als Staatsreligion durchgesetzt hat. Als das Römische Reich im 4.Jahrhundert christianisiert wird, beginnt die Judenverfolgung durch Christen. Besonders Kreuzfahrer glauben, das Blut Christi grausam rächen zu müssen. Um zu überleben, lassen sich spanische Juden taufen. Man nennt sie dort Marranos (Schweine). Höhepunkt bildet die Pest in Europa im 14.Jahrhundert, für die man den Juden die Schuld zuschiebt. Im Jahre 1516 erfindet die Republik Venedig das Juden-Ghetto, dessen Tore von christlichen Torhütern bewacht werden. Gelbe Hüte oder gelbe Flecken auf der Kleidung werden als Juden-Kennzeichnung gebräuchlich. Erst das Zeitalter der Aufklärung bringt den Juden schließlich Gleichstellung (in D unter Bismarck).
Obwohl weder Fegefeuer noch römisches Papsttum aus dem Neuen Testament abgeleitet werden können, bildet sich eine Trennung zwischen Klerus und Laien heraus. Die Priester-Kaste mit ihrem signifikant hohen Anteil an Kriminellen wird unabsetzbar. Außerhalb der im Episkopat verkörperten Bischofs-Kirche gibt es kein Heil. Der Papst erklärt sich zum unfehlbaren obersten Herrn der Welt und Stellvertreter Christi. „Wenn aber jemand dieser unserer Entscheidung, was Gott verhüten möge, zu widersprechen wagen sollte, der sei verflucht!“ (Vatikanisches Konzil 1870). Häresie wird zum Staats-Verbrechen. Seit 1232 verwalten die Dominikaner die Inquisition. Schon 320 exkommuniziert man Irrlehrer wegen der Probleme mit der Trinität. Die Heilige Schrift gilt als absolut irrtumslos, weil Gott den Schreibern diktierte. Eschatologische Erwartungen treten zurück, die Kirche verweltlicht. Der Marien-Kult, gefälschte Reliquien und ein ausufernder Kanon an Heiligen verdrehen die Lehren der Urgemeinde ins Absurde. Zahlreiche Marien-Erscheinungen führen zur Verkündigung des Dogmas von Mariens Himmelfahrt (1950). Damit wird der Einbruch mythischer Religion in den christlichen Bereich noch deutlicher. Der Heiligsprechung gehen regelrechte Prozesse voraus, bei denen die Tugenden des Heiligen geprüft und 2 Wunder nachgewiesen werden müssen. Ich glaub nich, daß Norbert Blüm das noch schafft.
Der offensichtlich zunehmende Mißbrauch des Christentums brachte immer wieder Gegenbewegungen hervor. John Wiclif (1330-84), ein englischer Lollarde („Unkrautsäer“), bekämpfte die wertlosen Menschenlehren von Papst und Konzilien, sofern sie nicht aus der Schrift begründbar waren. Ebenso verwarf er den Reliquien- und Bilder-Kult, die Ohren-Beichte, den Ablaß sowie die Unzahl der Feste und die Wallfahrten. Das Konzil von Konstanz erklärte ihn zum Ketzer, ließ alle seine Schriften vernichten und befahl, seine Gebeine auszugraben und zu verbrennen. Besonders der Ablaßstreit bringt Luther in den Kampf mit den Dominikanern. Antichrist ist nun der Papst selbst. Der Protestantismus lehnt Firmung, Ehe, Priesterweihe und Letzte Ölung als Sakrament ab. Calvin übertreibt den Widerspruch auf fundamentalistisch-asketische Weise, indem er weltliche Vergnügen wie Kartenspiel, Tanz und Wirtshausbesuch verbietet. Orgel, Bilder, Kerzen und Altäre verschwinden aus den Kirchenräumen. Kirchliche Strafen wie Tadel, Kirchenbuße, öffentliche Abbitte und Exkommunikation schaffen neue Terror-Regime. Für Gottes-Lästerung (Irrlehre) und Ehebruch wird die Todesstrafe verhängt. Ein Arzt, der die Trinitäts-Lehre angegriffen hatte, wird verbrannt. Auch für die Pietisten gilt der Mensch ohne Christus als ein Atheist, weshalb man besonders die „Heiden“-Mission fördert, die Absurditäten in fremden Religionen durch die eigenen zu ersetzen versucht und dabei die Vielfalt der Weltkulturen vernichtet. Der Rabbiner Mordecai Kaplan (1881-1983) war der Ansicht, daß es keinen Grund gäbe, warum alle Welt die Sancta eines Volkes oder einer Kirche annehmen müßte, genausowenig wie alle Welt ein bestimmtes Kleidungsstück tragen müsse.
Eine Reform dieser Mißstände ist von Gläubigen nicht zu erwarten. Auch Bultmanns Entmythologisierung löst nur die Offenbarung und damit das Fundament des christlichen Okkultismus auf. 1910 ordnete Papst Pius X. an, daß alle Kleriker einschließlich der Theologie-Professoren den Antimodernisteneid zu leisten hatten.
Darauf ist nur mit Säkularisierung zu antworten. Wie Gott den Pietisten August Hermann Francke (1663-1727) selbst in Lüneburg plötzlich erhörte, ist ebenso Privatsache wie religiöses Zucken und Lallen. Religions-Unterricht gehört nicht in staatliche Schulen. Das Fach ist durch Philosophie zu ersetzen. Philosophische Erkenntnis auf wissenschaftlicher Basis führt nicht zu Gott sondern zur Emanzipation des Menschen. Die verrotteten Symbole von Kreuz und Herz sollten ihrem eigentlichen Gehalt entsprechend verwendet werden: Als Symbole für Terror, Mord und Ignoranz. Wer glaubt, mit dem Herzen zu denken, dessen Weg geht nicht ins Paradies sondern ins Purgatorium von Jonestown.

Foto: Verbrennung der Knochen Wiclifs (Holzschnitt von 1563)