Warten in D

 

Wintersturm von Westen.
Oszillierende Wellen schwingen Spiegelungen
der Baumstämme im Teich.
Amplituden und Frequenzen synchron
zur Musik von Steve Reich.
Wellentanz Richtung Osten.
Interferierende Trance.
Als ich nach einiger Zeit des Starrens
auf’s Ufer blicke,
schiebt sich dieses nach Westen.
Auch die Insel schwimmt wie ein Krokodil
in die selbe Richtung.
Weißer Silberling segelt
aufgehender Sonne entgegen.
Braunes Eichenblatt torkelt über Wasserfläche,
konzentrische Wellen bildend.
Dann setzt der barong ein.

barong = balinesischer Tanz

Warten in D (II)

Knallt mir mal eben ein Kampfjäger
den Schwall in die Gedärme,
daß sie schwappen.
Kein gempa bumi,
kein Rauch.
Nirgendwo.
Nur viele tote Rupiah-Scheine.
Im waisenhaften Januar 98,
2 Jahre vor meiner Auswanderung.

gempa bumi = Erdbeben

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Solitude

Nutzlandschaft

Und Thoreaus Waldenwasser vermischt sich mit dem heiligen Wasser des Ganges.
Von günstigem Winde wird es hinübergetrieben, treibt bei Ternate, Tidore vorüber,
verdunstet in den tropischen Winden des Pazifiks.
Oh Scheiße! Wann geht es endlich los?
And when you wait till it’s too late?
You will be lost in shadowland.
Und du wirst in Gottes Hände heulen.
Und die Scheiße wird aus dir rausfließen. (Sie spritzte nur so!)
„Wer allein ist, ist auch im Geheimnis.“ (Gottfried Benn)
Das Haus knackt in Frühlingswind und –wärme.
Einsames Akordeon.
Da bin ich nun wieder.
Kein Weg, kein Ziel.
Solitude.
„Das Pfauenrad zerschlagen“, spricht ein Dichter im Radio.
Nothing changes.
„If people don‘t entertain you, nature will do.”
John Updike bei der Beobachtung weißer Schneeflocken vor dunklem Himmel.

Wir nähern uns dem Aus

Jesus-online

„Bevor man untern Torf kommt, macht man einiges mit im Leben.“ Hermann Gerland, Trainer von Arminia Bielefeld

25.10.1999: Rex Gildo ist aus dem Fenster gesprungen. Warum erst jetzt?
19.11.: Roter Glanz der Morgensonne auf feuchten Stämmen. Einsames schwarzes Bullenkalb streicht am Waldrand entlang.
Warten.
Shinto.
Ahoi.
1.12.: Im Kreis der Depression. Da schleichen die Buben mit dem geladenen Revolver durch’s Klassenzimmer, und der Schauspieler liegt tot im Sylter Sand. Der Kaufmann drückt dem Politiker Scheine in die Hand. Nur mich besticht wieder keiner. Verdammt mühselig, reich zu werden und dabei zufrieden zu bleiben. Stoizismus. Ein Stück Damwild steht plötzlich im Wald. Kastanienblätter wirbeln spiralig. Koks und Budo tatzen dazwischen. Im Kreis des Jahres. Warten auf was? Der Musikant scheuert auf den Saiten. Potential, Fantasie und Kaviar-Linke. Der Außenminister läuft gegen sich selbst. 3 Bussarde hoppeln über die Moorweide. Unbeholfen. Ich brauche mehr Sonne.
In der Steuerfalle.
Und es ist nicht leicht, sich selbst zu ernähren. Der Topinambur heute liegt schwer im Bauch. Unsere Nuß-Ernte ist beachtlich. Die Kunst des Glücklichseins.
15.12.: Bussarde hüpfen wie Hühner auf der Moorweide. Einer mit ganz weißem Kopf und Brust. 6 Eichelhäher, Ringeltauben, mehrere Elstern.
16.12.: 5 Bussarde. Der Weißkopf ist nicht dabei. Eichelhäher fliegen tollkühn, Elstern zielstrebig, gradlinig, Bussarde majestätisch – solange sie nicht auf dem Boden herumhüpfen und was finden? Ein Reiher zieht vorbei. 2 Buntspechte betreiben eine Schmiede in der Robinie. Kohlmeisen versuchen abzustauben, was runterfällt. Schwarze Krähen-Lümmel schlingern über’m Wald.
27.12.: 14 Elstern lärmen über den Kronen der Eichen. Eine junge Amsel fliegt auf vom Teichrand, um am Haus vorbeizudüsen, überlegt es sich aber doch anders und kracht gegen die Scheibe der Eßecke, daß man ihre Knochen bersten hört. Eine einzelne Weidenmeise auf dem Essigbaum der Insel im Teich. Na, und der Buntspecht sowieso immer unterwegs.