Vorsehung

Tosawi

Tosawi (Silver Knife; Foto von 1872) war der erste Comanchen-Häuptling der sich 1868 den amerikanischen Regierungs-Vertretern ergab: „Tosawi guter Indianer.“
Darauf erwiderte General Philip Sheridan (was er abstritt, jemals gesagt zu haben): „Die einzigen guten Indianer, die ich gesehen habe, waren tot.“
Besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Genozid an europäischen Juden und dem an nordamerikanischen Indianern? Ja, letzterer wurde nicht bestraft. Für die End-Lösung des Navajo-Problems erließ General James Carleton 1862 diesen Befehl: „Mit den Indianern sind weder Verhandlungen noch irgendwelche Gespräche zu führen. Die Männer sind umzubringen, wann und wo immer sie angetroffen werden. Die Frauen und Kinder sind natürlich nicht zu töten, sondern können gefangengenommen werden.“ Und nach Vollzug schrieb er ans Kriegsministerium in Washington: „Die Vorsehung ist uns in der Tat gnädig gewesen … Das Gold liegt hier zu unseren Füßen und braucht bloß aufgesammelt werden!“
Als moralische Begründung für die Vertreibung der Indianer diente die Idee des Manifest Destiny (verwandt dem deutschen Lebensraum), die einen göttlichen Auftrag für die territoriale Expansion der Weißen vorsah, um allen Völkern die Ideale von Zivilisation, Demokratie und Christentum zu vermitteln:
„The virtue of the American people and their institutions; the mission to spread these institutions, thereby redeeming and remaking the world in the image of the United States; the destiny under God to do this work.”
„Die Vertreibung dieses ganzen Volkes aus dem Land seiner Väter ist nicht nur ein interessantes, sondern auch ein ergreifendes Schauspiel. Viele Jahre haben sie tapfer gegen uns gekämpft; … doch als sie schließlich erkannten, daß es auch ihr Geschick war, gleich ihren Brüdern … dem unaufhaltsamen Fortschritt unserer Rasse zu weichen, da warfen sie ihre Waffen fort und kamen als tapfere Männer, die unsere Bewunderung und unseren Respekt verdienen, im Vertrauen auf unseren Großmut und in der Überzeugung, daß wir ein zu mächtiges und zu redliches Volk sind, um dieses Vertrauen mit Schlechtigkeit oder Geringschätzung zu vergelten, zu uns.“ (Carleton)
Trotzdem fragte sich John Evans, Gouverneur des Territoriums Colorado bei Friedens-Verhandlungen mit den Cheyennes: „Aber was soll ich mit dem 3. Colorado-Regiment machen, wenn ich Frieden schließe? Es ist aufgestellt worden, um Indianer zu töten, und es muß Indianer töten.“ Und so handelte John M. Chivington, Colonel des Regiments: „Ich bin hier, um Indianer zu töten, und ich glaube, es ist richtig und ehrenhaft, sich aller Methoden, die es unter Gottes Himmel gibt, zu bedienen, um Indianer zu töten.“ Dabei enstanden Verluste allein schon dadurch, daß die Soldaten unter Whisky-Einfluß achtlos aufeinander feuerten. Doch General George A. Custer kannte auch die angenehmen Folgen der Massaker. Er wählte sich unter den gefangenen Cheyennen eine hübsche junge Frau aus und führte sie als Dolmetscherin mit, obwohl sie nicht Englisch konnte. Offiziere, die wirklich menschliches Verständnis für die Indianer zeigten, ruinierten damit schnell ihre Karriere.
Der Kaufmann und Missionar William Welsh war der Ansicht, daß die Wilden nur deshalb auf den Kriegspfad zögen, weil sie keine Christen seien. Somit schien es eine einfache Lösung zu geben, und Verhandlungen mit ihnen wurden mit einem Gebet eingeleitet – besonders von Bischof Henry Whipple, der schließlich über beträchtliche Erfahrung im Diebstahl von Indianerland verfügte. Tuekakas, ein Häuptling der Nez Percés, verdeutlichte, was er davon hielt, indem er eine Bibel zerriß.
„Warum wollt ihr keine Schulen?“ fragte ein Kommissar 1873.
„Sie werden uns beibringen, daß wir Kirchen brauchen“, antwortete Tuekakas.
„Und ihr wollt keine Kirchen?“
„Nein, wir wollen keine Kirchen.“
„Warum nicht?“
„Weil sie uns beibringen werden, um Gott zu streiten. Das wollen wir nicht lernen. Wir streiten wohl manchmal mit Menschen um Dinge auf dieser Erde, aber wir streiten nie um Gott.“
Und damit alles in richtigen Bahnen lief, nahm die Regierung den letzten Apachen alle ihre Kinder weg und schickte sie auf eine Indianer-Schule in Pennsylvania, was deutlich nicht im Südwesten liegt, und wo über 50 von ihnen starben.

Quelle: Dee Brown, „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“, 1972

American-progress

„Der Fortschritt Amerikas“, John Gast, ca. 1872. Allegorische Darstellung des Manifest Destiny. Die Figur Columbia personifiziert die USA, die den amerikanischen Siedlern das Licht der Zivilisation nach Westen trägt und Indianer und wilde Tiere vertreibt. Dabei zieht sie einen Telegraphendraht und hält ein Schulbuch unter dem Arm.

Berühmte Arschlöcher

Henry-Hastings-Sibley

Seine Methode wird von indonesischen Beamten noch heute angewandt: Von den Renten-Geldern für die Wilden, ergaunerte sich Henry Hastings Sibley (1811-91) als Pelz-Händler 30-80%. Das führte dazu, daß die Santee-Sioux in Minnesota unter Hunger und Kälte litten. Nachdem man ihnen ihr Land weitgehend geraubt hatte, versuchte man vergeblich, sie zu seßhaften Farmern zu machen. So kam es 1862, im Jahr, als Henry D. Thoreau – nicht gerade ein Indianer-Freund – mit 45 starb, zu erheblichen Unruhen. Alexander Ramsey, Gouverneur von Minnesota, der bei der persönlichen Bereicherung mit Sibley zusammenarbeitete, war der Ansicht: „Die Sioux-Indianer müssen ausgerottet oder für immer aus dem Staat vertrieben werden.“ Andrew Myrick, einer der Händler der Agenturen, verheiratet mit einer Indianerin, beantwortete die Forderungen der Santees mit: „So far as I am concerned, if they are hungry let them eat grass or their own dung.“ Es ist unklar, ob er es noch erlebt hat, wie das schmeckt, jedenfalls fand man den Mund seiner Leiche mit Gras vollgestopft. Im Laufe des Sioux-Aufstandes kam es auf beiden Seiten zu brutalsten Ausschreitungen, bei den Weißen waren viele unschuldige deutsche Siedler betroffen. Sibley, ohne militärische Erfahrung, wurde von Ramsey als Colonel an die Spitze eines Minnesota Regiments gestellt, mit dem er den Aufstand niederschlug, wofür er später zum Brigadier General ernannt wurde. Die Gefangenen reduzierte man weiter in Konzentrationslagern. In 5min-Prozessen fällte man 303 Todesurteile, die Sibley zwar bestätigte, doch Präsident Lincoln die endgültige Entscheidung überließ. Jener erlaubte nach Prüfung der Akten nur 38 Todesurteile, die in „Amerikas größter Massenexekution“ durch Erhängen mit Applaus vollzogen wurden. Die Leichen wurden für medizinische Zwecke verwendet. Danach stellte man fest, daß einer der gehängten Indianer bedauerlicherweise nicht auf Lincolns Liste gestanden hatte. Little Crow, der Kriegs-Häuptling der Sioux, wurde später beim Himbeeren-Pflücken von Siedlern erschossen. Dafür bekamen jene 25USD pro Skalp. Little Crows Skalp und Schädel stellte man in St. Paul öffentlich aus. Sein 16jähriger Sohn wurde ebenfalls zum Tode verurteilt. Nach Bemängelung des Verfahrens durch die Militärbehörden, wandelte man das Urteil in Haft um. Nach seiner Entlassung betätigte er sich als Diakon und gründete den ersten Christlichen Verein Junger Sioux-Männer.
Unter völliger Mißachtung internationaler Gesetze gelang es Sibley, 2 nach Kanada geflohene Sioux-Häuptlinge zu entführen und vor Gericht zu stellen. Deren Todesurteile kommentierte der „St. Paul Pioneer“: „Wir sind nicht der Ansicht, daß die morgigen Hinrichtungen schweres Unrecht darstellen, doch es wäre imponierender gewesen, wenn ein eindeutiger Schuldbeweis erbracht worden wäre … Kein Weißer wäre von einem aus Weißen bestehenden Gericht auf Grund des vorliegenden Beweismaterials verurteilt worden.“
Die restlichen Santees brachte man 1863 mit einem Dampfboot in ein Reservat, dessen Erde unfruchtbar, Wild und Regen eine Seltenheit waren, und dessen Wasser sich nicht zum Trinken eignete. Nach dem ersten Winter blieben von den 1300 Reservat-Indianern weniger als 1000 übrig.
„Die Weißen haben immer versucht, die Indianer dazu zu bringen, ihr Leben aufzugeben und wie die Weißen Männer zu leben – Land zu bebauen, schwer zu arbeiten und zu tun, was sie taten -, doch die Indianer wußten nicht, wie man das tut und wollten es auch nicht.“ (Wamditanka, Santee-Sioux)
Eine Variante erklärt den Mangel an Geld zur Unterstützung der Indianer mit dem Verhalten der psychisch gestörten Mary Todd Lincoln, Ehefrau des Präsidenten, die ohne Wissen ihres Mannes ein 4-Jahres-Budget vergeigte. Diese der Staatskasse fehlende Summe wurde dann bei den Indianern eingespart.

http://amertribes.proboards.com/thread/252/hanging-38-sioux-1862?page=2

Genossenschaftliches Tischgebet

FebJulAugOkt

Wer nicht schafft,
soll keine Rente kriegen,
laß uns, Herr, das nie verbiegen.
Laß uns alle, groß und klein,
treu in der Gewerkschaft sein!
Gib der Arbeit deinen Brägen,
bis wir einst uns müde schuften,
und – bevor wir in die Grube gruften –
am 1.Mai uns‘re Arbeit niederlägen.

sehr frei nach Paul Kästner
Abb. aus „Heimatkalender für Stadt und Kreis Uelzen“, 1949