Wir entdecken das Leben

Waldbild

Wir schreiben das Jahr 1982. D.h., eigentlich schreibt es sich selbst, bzw. es gibt gakein Jahr, weil die Zeit stufenlos eingestellt iss. Wie dem auch sei, der Wald iss jedenfalls total untaentwickelt. Nirgendwo ein ordentlicher Klingelton. Nur der Bunt-Specht läßt sein Lineal an der Tischkante vibrieren, und die Rehe begrüßen jeden Touristen mit einem skeptischen „Halloh?“. Die einzigen Netzwerke sind die der Spinnen, welche aba auf dem Bild nich zu sehen sind.
Familie Ratte macht einen Ausflug in den Wald und sucht Pilze. Als er sich hinhockt, merkt Vater Ratte plötzlich, wie er kacken muß. Sein kleiner Sohn findet einen Steinpilz, der aba nur so heiß. Mama Ratte zückt ihren Fotoapparat und knipst das. Ein Handphone hatse ja noch nich. Der ältere Sohn redet inzwischen mit Ameisen. Die Tochter dagegen wirft ein Eichhörnchen in die Luft. Im Mittelgrund malt ein entsprungener Sträfling ein zweibeiniges Reh, welches in der Ferne steht und kuckt. Da der Maler seine Palette verkehrtrum hält, wird das Bild nix. Ebenfalls im Mittelgrund hackt der Buntspecht die Bäume um. Mindestens 4 hat er schon geschafft. Im Hintergrund wandern 4 Proletarier in typischer Wander-Kluft, um sich in einer Fichten-Schonung zu besaufen. Vielleicht sind es sogar 5, und einer wandert gerade hinter den Bäumen. Da kommt überaschend der Förster mit seinem Dackel von links und schießt alle wegen versuchter Wirklichkeits-Flucht tot.
Ei verbibschd!

Bild aus Hüttner/Sacher, „Wir entdecken einen Stern“, DDR 1982

Schlafende Architektur

Neurose

„Wie zu den Reisfeldern die Malaria, zu den Bergwerken die Staublunge, zur mittelalterlichen Stadt der Überfall der Pest, so gehöre zur Großstadt die Neurose … Die Suchtformen, die wir allerorts in unserer Gesellschaft antreffen, zeigen uns, daß elementare Hoffnungen und Wünsche des Menschen auch in der Überflußgesellschaft unbefriedigt geblieben sind.“
Alexander Mitscherlich (1908-82), „Großstadt und Neurose“, 1965

Bauen iss keine Privatsache! Wo kämwa denn da hin. Da gips ja nich nur die Nachbarn, die deine Bäume hassen, weilse in völlich unverantwortlicher Weise mit Blättern und Schatten werfen, nein, auch die Öffentlichkeit mit ihrem gesunden Volksempfinden iss angesprochen. Stell dir nur mal vor, du würdest nach deinem eigenen Wasser bohren und dich für deinen Müll verantwortlich fühlen, und denn stehn die Leute von der Stadt da mit ihrer Wasser-Leitung und ihrem Müllwagen, der ganz neue Gebirgszüge erschaffen kann, und wissen nich, wasse damit tun sollen. Und denn sollen die Städte ja auch schön aussehen, wie in den 50er Jahren, wo man mehr alte Sachen abgerissen hat, als durch den Krieg zerstört. Nee, da muß schon die Bauaufsichtsbehörde ran, die kaum korrupt iss, jedenfalls nich bei den kleinen Projekten. Die machen dann einen Bebauungsplan, wo festgelegt wird, wo’s langgeht und wie breit die Straße sein soll, wo die zahlreichen, liebe- und fantasievollen Kinderspielplätze angelegt werden und das viele Grün. Welchen Abstand das Haus von der Grundstücksgrenze haben und welche Fläche bebaut werden darf. Wieviel Geschoße, welche Dach- und Fensterform, Farbe der Ziegel, Gesimsausbildung, Vorgartenanlagen, Deckenhöhe, Treppenbreite und -Steigung, und wie de dich schön mit Styropor einpacken kannst, usw.. Den Rest kann der Bauknecht dann ganz frei gestalten. Und so isses gekommen, daß Architektur sich in Deutschland überall so hübsch und vielfältich entwickelt hat auf seinen reichen Einfamilienweiden, daß es eine Lust iss – es woanders zu probieren.

privy

Comic aus Friedmann/Wyniger, „Anamarama“, 1990
http://grimshaw-architects.com/project/the-eden-project-the-biomes/

Bau-Unordnung

Gartenarbeit

Meine sehr persönlichen und folgenreichen Erfahrungen begannen in den 60er Jahren damit, daß dem Individuum in D die sonderbarsten Grenzen gesetzt wurden, die mir durch keinerlei Vernunft begründet erschienen. Tatsächlich wollte eine nicht leicht zu definierende Macht die Gesellschaft in unakzeptabler Weise gleichschalten. Dies hat sich bis heute in einer Weise verstärkt, die – in meiner Sicht – von der Mehrheit nicht oder nicht mehr bewußt erfahren bzw. sogar gewollt wird. Dabei versucht die politische Führung die Bürger von einem Wahn in den nächsten zu dirigieren. Da gab es den Atom-Energie-Mythos, abgelöst vom Solar-Mythos und aktuell den Dämm-Wahn („University of Utah study finds suicide may be linked to air pollution“, „New ocean forming in African desert”). So wird die Welt nicht wirklich als ein sich selbst regulierendes Öko-System akzeptiert, zu dem eventuell auch die Eliminierung einer hypertrophierten Menschheit gehört.
Es begann mit dem Aussehen, mit Kleidung und Haarlänge, wurde dann wirklich bedrohlich mit der bis heute konfus-unbewältigten Drogen-Politik, die Drogen und deren Benutzer kriminalisierte, die harmloser als das gesellschaftlich Akzeptierte waren, und schließlich der tiefe Eingriff in die individuelle Lebensgestaltung, erfahren durch die Absurditäten der Bauordnung.
Ich habe 2 Wohnanlagen mit jeweils mehreren Strukturen entworfen und gebaut: 1 in D, sich der deutschen Bau-Ordnung weitgehend unterwerfend, und 1 in Indonesien, ohne irgendwen zu fragen. Die 2. Anlage, die ich derzeit bewohne, ist wesentlich schöner, aufwendiger und billiger geworden. Das liegt auch am günstigeren Klima. Inzwischen sind selbst hier Bauten im Außenbereich genehmigungspflichtig.
1974 veröffentlichte „River (Only the Names Have Been Changed to Protect the Guilty)“ in „Dwelling – On Making Your Own“ Beispiele illegaler Architektur in den USA. Während Helen Nearing den richtigen Bauplatz über einer Landkarte auspendelte, hat „River“ das „I Ging“ und die Sterne befragt:
„On the wilderness trips we learn, step by step, trip by trip, that less is really more, and that the more we simplify, the more we fly.
Perhaps it was the first paradox related to me and my living space but it certainly wasn’t to be the last – when I heard that the code did not apply to tipis … The local inspector informed him that he could not live in the garage he had made while he built his house … I believe that making a personal living space can be one of the highest and most profound creative experiences of live. We have cheated ourselves too long of this experience, allowing professionals and experts, developers and businessmen, politicians and bureaucrats to determinate for us the very shape of our living space. At great personal cost (for huge corporate profits) we have given away one of our greatest potential gifts: the creation and expression of ourselves in the form of our shelters. It seems time to reclaim this right, this energy, this adventure … Instead, we lost control of our own dwelling space, almost stopped life, and created misery … almost always borowing heavily, mortgaging our lives for the right house, the right appliances, the feel of luxury … Now, the current style (style being the social expectation linked to individual needs) seems to require housing beyond our personal capacity to achieve it … out of the smoke and turmoil of the 1960’s – something strange, something beyond the rules and expectations and programs seemed to emerge. A huge vision of new ways of being and living began to take shape in many of our lives – sometimes warped in anger …: the desire for a sense of personal autonomy and integrity, the desire that culture, whatever it could mean, should be ours … Be forewarned: the signs point toward more control, not less.”

Simple is life among the frontier mystics;
our pursuit of happiness
a holy renunciation
a joyous bow
to the forest, the sky, the stars, the animals

Can the captains of law and commerce
who count each foot of earth in coin
each tree is worth on the lumber market
Understand this path of non-disturbance
of tearing as little from the earth as we need …

Allen Cohen

https://www.youtube.com/watch?v=Gst8H6x10BU