Klimakanne

milchkanne

Anscheinend gibt es aktuell eine Diskussion über die angebliche Schuld der Alten oder der älteren Generationen an den sich ändernden klimatischen Verhältnissen, ausgelöst durch einen psychisch gestörten schwedischen Teenager, der keinen Bock mehr auf Schule hat. Sowas schafft schlechtes Klima. Ganz schnell ließe sich die Frage beantworten durch den Vergleich der Ausrüstung eines Fahrrad-Fahrers in den 50er Jahren mit heutigem Styling. Als diese schwulen Fahrrad-Hosen aufkamen, hab ich nur gelacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, daß sich sowas durchsetzt. Schon die albernen Helme verderben ja den Spaß ebenso wie beim Motorradfahren. Warum ich der Ansicht bin, daß es keine Generation vorher gab, die so materialistisch und gierig auf Konsum war wie die heutige Jugend, will ich an einigen Beispielen verdeutlichen:
Mit der obigen nachhaltig vererbaren Milchkanne (Wo, zum Teufel, ist der Deckel?) habe ich als Kind in Hildesheim Milch geholt. Sie wurde beim Kaufmann aus einer Handpumpe gefüllt, Butter aus dem Faß mit hölzernen Schlegeln in Form gebracht, in Fett-Papier eingepackt und im Einkaufs-Netz transportiert. In den 70ern reaktivierte ich die Kanne und holte in der Westheide kuhwarme Milch aus einem Stall. Da war das schon verboten, was ich gar nicht wußte, und die Bäuerin schwieg bescheiden. Milch-Produktion und -Konsum abfallfrei.
Jeder größere Laden besaß neben der Kasse einen Tisch, auf dem eine Packerin die Waren gekonnt in Packpapier einfaltete und mit Hanfschnur tragbar machte. Die Plastiktüten ersetzen später auch gleich die Packerinnen.
1945 gab es in D 2 extreme Existenzformen: Die, die ihren Besitz im Krieg bewahren konnten, und die, die nur ihr Leben gerettet hatten. Meine Eltern gehörten zu letzteren. Aber mein Vater hatte eine gute Ausbildung und konnte damit Karriere als höherer Beamter machen. Trotzdem war das Geld knapp und Verschwendung verpönt. Wir gehörten auch nicht zu den ersten, die EIN Telefon und später EINEN Fernseher besaßen, sondern anfangs besuchten wir zwecks Nutzung andere Familien. Mein Einstieg in das Medienzeitalter begann mit einem alten „Volksempfänger“ aus der Kriegszeit mit Mittelwellen-Empfang und vielen sonderbaren Geräuschen, gefolgt von einem Mono-Transistorradio mit UKW, später ergänzt durch einen Plattenspieler. Akustischer Höhepunkt in unserer Familie wurde und blieb eine Musik-Truhe von Braun mit 10 Plattenwechsler, die nie einen Ton Stereo von sich gab.

rokal

Die oben erwähnte Gier muß ich relativieren: Natürlich hätten wir all das auch gewollt, was die Jugend heute als selbstverständlich ansieht. Nur gab es das nicht. Schon gar nicht dieses markenbewußte Anspruchs-Denken. Werd‘ erstmal was, wurde uns vorgehalten. Wie alt sind denn die heutigen Influencer, deren Lebensinhalt der Konsum ist, und die mit ihrem Mist das Internet ruinieren.
Und auch dies ist sicher: Keine Generation vorher wurde so in Watte gepackt – was zunehmende Körperfülle, verstärktes Größenwachstum, höhere Lebenserwartung und zunehmende Unverschämtheit zur Folge hat. Selbst in Entwicklungsländern zu beobachten. Dort will man erst noch alles haben, was es im Westen schon gibt. Besonders den extremen Strom-Verbrauch. Es hätte also keine signifikanten Folgen für das Wetter, wenn sich die Jugend in den überentwickelten Ländern plötzlich massenhaft für Entschleunigung und Konsumverzicht begeistern würde. Doch eher dreht sich die Welt andersrum.
Tatsächlich hat mich niemand gefragt, ob ich TV, PC, das langweilige Auto-Design, Kunststoff-Kleidung und diese Telefone brauche, die heutzutage Menschen zu Narren machen. Aber der Markt ist sehr demokratisch. Was nicht gekauft wird, verschwindet von selbst. Jede Generation hat also die Wahl, und bisher wollte jede immer mehr.
Mit der Kanne sammelt man übrigens auch gut Beeren. Sammelt noch jemand Beeren? Vielleicht gibt es ja dafür inzwischen schon ein App, das anzeigt, wo die Beeren sind.

Grün oder braun?

ritter

Oder lieber blau-weiß? Wenn man die Beziehung zwischen Esoterik und rechten Verschwörungs-Theorien untersuchen will, fragt man die Zauberer am besten direkt. Z.B. den Beauftragten für Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Bayern. Der weiß bescheid. Ohne Zweifel sind Verflechtungen vorhanden. Das war schon immer ein Problem der Alternativen und liegt daran, wie sich in den extrem subkulturellen Ecken die Spinner akkumulieren. Diskreditiert jedoch nicht grundsätzlich die „Zurück auf’s Land“-Bewegung, die ich durchaus eher für eine sinnvolle Alternative halte als etwa Unterricht zu schwänzen. Was mich jedoch daran abgeschreckt, ist die weltanschaulich korsettierte Gruppe, die selten besser funktioniert als Eremiten-Dasein.
„Wir sind ja gerade dabei, uns einen Überblick zu verschaffen, wieviele solcher Reichs-Bürger es z.B. im Freistaat Bayern gibt“, erklärt der Bayerische Innenminister. Der Mann merkt offensichtlich nichts mehr. Gewohnheitsmäßig anästhesiert. Ein Freistaat im Staat? Das wollen die Reichsbürger auch.
Und der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Florian Ritter (SPD), der einer der ersten war, der vor Reichsbürgern warnte, läuft wie betäubt vor diesem stark esoterischen Kruzifix die Freitreppe im Landtag rauf und runter. Staatliche Esoterik ist in Ordnung. So ein bißchen Verwandlung von Wein in Blut und Keks in Menschenfleisch ist ja nicht das gleiche wie den Starnberger See mit Frieden aufzuladen. Nur dürfen die Wutbürger den Cristlich-Sozialen nicht weglaufen.

Schiffbruch

blechschiff

In meiner Kindheit standen diese Blechschiffe der 1865 in Kiel gegründeten Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger besonders in Kneipen auf dem Tresen, waren jedoch nicht zum Spielen sondern zum Geldsammeln gedacht. Auch Lehrer sammelten – ebenso für den Tierschutz – im Unterricht, und meine Eltern gaben mir das Spenden-Geld, weil sie immer in Sorge waren, daß ich mich isolieren könnte. Ich hab es trotzdem getan – das Isolieren. Zwar kam es in Hildesheim selten zum Schiffbruch, doch wußte man ja nicht, ob sich eine Spenden-Verweigerung irgendwie auf die Zensuren auswirken würde. Von dem Geld für den Klingel-Sack in der Michaelis-Kirche hab ich mir lieber Pfefferminz gekauft. Das Schiff fiel mir ein, als ich über die Umwertung des Begriffs Seenot nachdachte (Rausfahren, wenn andere reinkommen!“). Heutzutage werden Schiffbrüchige außerhalb der 12-Meilen-Zone erwartet, die mit vorsätzlichem Leichtsinn eine illegale Einwanderung erzwingen wollen, 16jährige retten das Klima durch Schwänzen, der ermordete Regierungspräsident Lübcke wollte Kritiker loswerden, die seine Wertvorstellungen nicht teilten und dafür Menschen reinlassen, die jene gar nicht kennen, und es hat 71 Jahre gedauert, bis ich aus dem Mund der Kriegsministerin von der Leyen den Begriff „gute Fehlerkultur“ hörte. Deshalb will man sie ja wohl jetzt auch mittels Beförderung loswerden.
Durch meine lange Abwesenheit setzen sich die medialen Bruchstücke aus D zu einem Panoptikum zusammen, das ich nicht mehr an der Wirklichkeit überprüfen kann, aber als ich in meiner Studienzeit regelmäßig den „Spiegel“ las, drohte die Welt schon damals wöchentlich unterzugehen. Heute versucht der „Spiegel“ HP-Spiele zu puschen, die so primitiv erscheinen, daß sie auch für Hirngeschädigte geeignet sind. Genau sowas spielen erwachsene Wilde hier im mikro. Dabei scheint sich niemand um den Weltuntergang zu sorgen – abgesehen von den Adventisten und ähnlich Verwirrten.