Polnischer Imperialismus

PolenStaufer

Polen zur Zeit der Staufer

Am einfachsten wärs ja, wenn es Ostpreußen gar nicht gegeben hätte. Dann könnten die polnischen Imperialisten, die sich im 16. und 17.Jahrhundert nicht nur Preußen sondern auch Litauen und Teile Rußlands aneigneten, in Ruhe ihre Jubiläen im erstmals 997 erwähnten Danzig veranstalten, das um 1226 deutsches Stadtrecht erhielt. Für die russischen war die Geschichte Königsbergs allerdings bis in die 90er Jahre Tabu. Doch die Historie ruht nicht, vor deren faktischer Endgültigkeit deutsche Politiker das Haupt gesenkt haben. Was ist schon endgültig in der Geschichte der Menschheit? Wie schon der Prediger Michael Pogorzelski feststellte: „Was ist menschlich Lebben? Menschlich Lebben ist wie Teerpaudel am Wagen, schlicker, schlacker, schlicker, schlacker, bums, liegt auf Erde.“

PolenKarl4

Polen zur Zeit Karls IV. (1316-1378)

Die alten Preußen oder Pruzzen waren tapfere Wilde, die sich mit den gierigen Polen schon lange vor der Landnahme deutscher Siedler im 13.Jahrhundert rumschlugen. Auch die Litauer wollten gerne mehr von diesem dünn besiedelten, wilden Land. Die Russen schauten gelegentlich mal zum Plündern vorbei und verschickten ein paar Ostpreußen zur Erholung nach Sibirien oder verkauften sie nach Konstantinopel. Nachdem der polnische Herzog von Masovien vergebens versucht hatte, die Pruzzen zu unterwerfen und zu christianisieren, beauftragte er planmäßig deutsche Ordens-Ritter, zuerst nur 7 an der Zahl, den Heiden christliche Manieren beizubringen. Dafür bekamen die Ritter das eroberte Land „zu Erbrecht und dauerndem freien Besitz“. So entstanden vermehrt Städte, wobei etliche Wilde abhanden kamen und der Rest zu Masuren assimiliert wurde. Dabei wurden die christlich gewordenen Pruzzen zu freien Menschen erklärt und ihnen Besitz- und Erbrechte verliehen. Erst 1945 bekamen die polnischen Diebe diese Gebiete von den großzügig ihre Beute verteilenden Russen geschenkt. Und bis heute versuchen manche („von Selbsthaß zerfressene Linksgrüne“, die sich eher für Tibet interessieren) die Tatsachen zu leugnen. So darf der preußische Historiker und Kartograph Christoph Hartknoch nicht 1644 im Herzogtum Preußen geboren worden sein, wie ein anonymer Wikipedia-Kritiker anmerkte: „Ostpreussen gab es zu seiner zeit nicht. Er wurde in Jablonkow in Polen geboren.“

Polen1740

Polen um 1740. Aus der Karte wird deutlich, wie die Polen den ganzen Kuchen begehrten – so, wie die Franzosen und Russen auch. Nur die Deutschen sollten das nicht. Das Thorner Blutgericht zeigte schon 1724 das akkumulierte polnische Potential an völkischem und religiösem Haß. Selbst Voltaire prangerte seinerzeit die katholische Intoleranz der Polen an.

Polen1789

1789 erscheint das zerrüttete Königreich Polen dann auf sein Kernland zrückgedrängt, wie es weitgehend wieder der ostdeutschen Kolonisation des 12. und 13.Jahrhunderts entspricht. Nicht nur die gemischten Gebiete wurden ab 1945 durch die Sieger in einer Weise von Deutschen gesäubert, die noch nachträglich das Feindbild der Nazi-Progaganda bestätigte. Niemals vorher haben Russen oder Polen in Ostpreußen gesiedelt. Und auf keiner Karte ist Stettin als jemals polnisch verzeichnet worden, sondern 1243 verlieh der Herzog von Pommern der Stadt das Magdeburger Recht. Die Frage also, wer in dieser Region die ältesten Rechte hat, läßt sich eindeutig beantworten. Und Hamsun schrieb: „Wenn das eine zusammenbricht, erhebt sich ein andres, spielt sich eine Weile gewaltig auf in der Welt und stirbt. Es sollte nichts von Pessimismus in solchem Denken und Besinnen sein, nur ein Erkennen, wie wenig stillstehend, wie dynamisch das Leben ist.“

Sprache

Karten aus F.W. Putzger, „Historischer Schulatlas“, 1954

Jons und Erdme

Arche

Eine der schönsten Erzählungen, die ich kenne, heißt „Jons und Erdme“. Natürlich bin ich nur deshalb so begeistert, weil sie mich persönlich berührt, doch kannte ich zumindest einen älteren Ostpreußen, dem sie auch so gut gefiel, daß es schwierig wurde, „Das Hermann Sudermann Buch“, welches ich ihm geliehen hatte, zurückzubekommen. Sudermanns (1857-1928) Erzählung von 1917 ist Hamsuns Roman „Segen der Erde“ (der erst 1918 in D erschien) sehr ähnlich und allemal so gut, wenn nicht sogar besser, nur kürzer. Jons Baltruschat und Erdme Maurus sind arme, junge Litauer in der Region meiner Vorfahren, die gemeinsam zu siedeln beschließen, denn „mit dem Besitzersein fängt das Leben doch erst eigentlich an“. Basierend auf ihrer Gütergemeinschaft von 66Mark übernehmen sie in der Kolonie Bismark im Rupkalwer Moor, „wo die Diebe und Mörder hausen“, 1 Hektar Gummiboden, den der preußische Staat vergibt, und machen ihn urbar. „Zwei richtige Lebenskämpfer, bereit, dem Schwersten standzuhalten und das Widrigste mit Schlauheit zu umgehen.“ In einer Landschaft mit schwarzen, vom Torf-Stechen viereckigen Teichen, erschlossen von Straßen aus Knüppeln und Lehm über rotbraunem Moorboden, „der unter ihren Füßen quatscht und einsinkt“, erhalten sie zuerst Unterschlupf bei wahnsinnigen Christen, wie es sie auch in meinem Moordorf gab. An jedem Sonntagabend versammeln sie sich: „Andächtige Lieder werden gesungen, Sündenbekenntnisse abgegeben [und notiert!], und meistens kriegt der Heilige Geist einen oder den anderen zu packen, so daß er aufsteht und mit Zungen redet, während die anderen horchen und weinen. Das ist dann ein rechtes Sonntagsvergnügen.“ Zuerst müssen Entwässerungsgräben ausgehoben werden, dann stehlen die Moor-Pioniere sich Baumaterial für eine einfache Kate zusammen. Auf der Suche nach Helfern („Ja, ja, das Bauen und das Begraben muß man schon immer gemeinsam verrichten.“) stößt Erdme auf einen allseits gemiedenen ehemahligen Raubmörder mit einem seltsamen Haus, der ihr eine Flutkatastrophe prophezeit. Erdme selbst hatte eigentlich höhere Ziele als dieses im Moorschlamm eingesunkene Schicksal, „der keinen Grund und Boden hat und nichts mehr hergibt, was er einmal mit seinen Wurzelfäden umwindet“. Doch fügt sie sich und pflanzt ihre Lebensziele stattdessen den 2 Töchtern ein, die sich mit wachsender Existenz-Sicherung einstellen. Das nun langsam mit einer himmelblauen Tür und Werbeplakaten für Hühneraugen-Ringe verschönerte Heim ist den heranwachsenden Töchtern dann auch bald nicht mehr gut genug, und für die Landwirtschaft eignen sie sich, von der Mutter verwöhnt, schon gar nicht. Besonders schlimm das winterliche Gefangensein in der verräucherten Kate: „Selbst das Fensterchen steckt manchmal tief unterm Schnee und muß am Morgen freigeschaufelt werden, damit man weiß, daß es Tag ist … Und in den Schlorren erfrieren die Füße.“ Nach und nach können sich die Neusiedler auch Tiere anschaffen. Die Ziege „heißt Gertrud, frißt aus dem Schweinetrog und stößt, wenn man sie melken will“. Dann werden die Moorbauern nach einem Dammbruch von der prophezeiten großen Flut ergriffen, und nur der Raubmörder kann sie retten, weil er in einer als Kate getarnten Arche lebt. Während er diejenigen, die ihn verachtet und gemieden haben, aus dem Wasser fischt, hängt an seinem Prahm ein schwimmendes Bett mit einer Ertrunkenen darauf. Selbst die Pioniere aus Königsberg erscheinen mit einem Extrazug zum Katastrophen-Einsatz. Auch diese Schwierigkeiten werden überwunden: „Hat es zwischen uns keinen Hader gegeben, als wir es schwer hatten, haben wir selbst die große Not einträglich überstanden – wo sollte er herkommen, nun es leichter und leichter wird?“ Doch wer sich als zu Höherem geboren empfindet und die Moorkrankheit bekommt, muß raus aus dem Sumpf, will nach Königsberg oder Berlin. Schon ihr litauischer Name ist den Töchtern viel zu gemein, und sie müssen sozial aufsteigend – mit Deutschen – verheiratet werden. Dafür stiehlt Erdme ihrem Jons schließlich sogar das Sparkassen-Buch, und er schlägt sie deshalb derb mit einem Pfahl nieder. Erdme zieht daraufhin zum Nachbarn, Jons verkommt, und die Töchter rauben für ihre Mitgift das Vaterhaus leer. „Der Jons ist so gut wie ein verlorener Mann … Aber was hilft das Vorwärtskommen, wenn einem zu guter Letzt alles wieder zunichte wird.“ So ist mit einemmal der Hader zu ihnen gekommen wie der Dieb in der Nacht. Die verheirateten Töchter, die sich verpflichtet haben, für ihre Mutter zu sorgen, verschwinden einfach mit allem Gut. „Da sieht Erdme ein, daß sie kein Dach mehr über dem Kopf hat.“ Verzweifelt will sie in ein Torfloch springen, doch sucht sie zuerst noch ihre Kate auf, wo sie wieder auf Jons trifft. „Wenn du bloß da bist“, sagt er, und sonst sagt er nichts. Weil die Töchter die Betten gestohlen haben, legen sie sich zur Nacht auf Stroh. „Wir fangen eben noch einmal von vorne an, das ist alles … Wenn du bloß da bist.“

Ausgegrenzt

Gier

Mein alter „Diercke Weltatlas” von Georg Westermann in Braunschweig hat es bis zum Äquator geschafft. Raffinierterweise ließ der Verlag traditionell das Erscheinungsjahr weg, um den Atlas länger verkaufen zu können. Aber mein Vater, ordentlich wie er war, schrieb es rein: 1957. Wenn man nun dem 53. Breitengrad von Bremen nach Osten folgt, kommt man von der West-Heide, wo ich 27 Jahre im Moor gelebt hab, zur Uckermark, wo das Wasser sichtbarer herumsteht, und sogar die Biber wieder bauen (Man merkte das, als die russischen Besatzungs-Soldaten anfingen, Biberfleisch zu verkaufen!). Dabei wurde ich auf die merkwürdigen Grenzen aufmerksam, die ich mir noch nie zuvor so genau angesehn hatte. Die Nähe dieses dünn besiedelten Gebiets zur polnischen Grenze ist unangenehm. Mit marodierenden polnischen Banden hatte man schon 1945 in meiner Moor-Idylle große Schwierigkeiten und sehr unangenehme Erinnerungen. Und jedes Mal, wenn ich auf die Karte sah, stutzte ich: Wieso ist Stettin polnisch? Weiter südlich folgt die Grenze praktischerweise dem Verlauf von Oder und Neiße, doch vor Stettin geht es nördlich in die Botanik. „Am 5. Juli 1945 wurde Stettin jedoch – unter Bruch bestehender alliierter Vereinbarungen, … von der sowjetischen Besatzungsmacht an Polen übergeben. Gleichzeitig erfolgte die Ablösung der deutschen Stadtverwaltung unter Absetzung des Bürgermeisters Wiesner, und es begann die Ansiedlung von Polen, die mit der Vertreibung der deutschen Zivil-Bevölkerung einherging … Nach den Festlegungen der Potsdamer Konferenz vom August 1945 sollte die deutsche Ostgrenze auf der Linie von Oder und Neiße verlaufen. Entgegen diesen Festlegungen verfügte Stalin eigenmächtig, daß auch die Gebiete westlich der Oderlinie mit Stettin und Swinemünde sowie deren Umfeld den polnischen Verwaltungsgebieten zuzuschlagen sind. Der alliierte Kontrollrat wandte aber nichts gegen diese Eigenmächtigkeit ein.“ Was für eine schweinische Politik! Gerne hätte ich die Frau vom Museum in Zoppot gefragt, die mich hier wegen Bild-Materials vom Haus meines Urgroßvaters kontaktierte, wie es sich denn so anfühlt, in gestohlenen Häusern zu wohnen. Ich hab jedenfalls immer für meine Häuser bezahlen müssen. Doch das verkniff ich mir und erklärte nur, wie meine Vorfahren bei der Flucht so gut wie nichts mitnehmen konnten, und ich nicht mal weiß, wie mein Urgroßvater mütterlicherseits ausgesehen hat.

Ostpreussen

Auch der Polnische Korridor findet sich noch auf einer Karte und natürlich die Ungeheuerlichkeiten der Besetzung Ostpreußens. Wie mögen wohl heutzutage die politisch korrekten Schul-Atlanten aussehen?

endgueltig