Rembrandt auf der Insel

forest

Das Beste am Bloggen ist eigentlich der leichtere Weg zur Erkenntnis, sich spiralig zu bewegen – zumindest mental.
Licht-Stimmungen wie von Rembrandt im fotorealistischen Video-Spiel „Forest Village„. Ideales Spiel für Senioren, dauernd passiert fast nix – sofern man rechtzeitig die Katastrophen deaktiviert. Mal ein paar Hungertote, vom Wolf gerissene Schafe, vom Bär geklauter Honich, Hirsche machen gern ne Tour durch den Hafen, doch mit Intelligenz läßt sich das managen. Zwischdurch kann man auch mal Pissen gehn. Keine Adrenalin produzierenden Keilereien. Stattdessen Lichtspiele, Tag und Nacht durch die Jahreszeiten. Da kommt wieder Nostalgie auf, besonders wenn der Rohbau einer Scheune wie mein Backhaus aussieht, das ich damals umsetzte und mir im Moor als Atelier aufstellte. Bevor es fertig war, kam der Winter, und es wirkte etwas hoffnungslos. Doch die Eichen-Balken hielten stand. Das war eine ganz andere Wirklichkeit als meine jetzige, und so war das ja auch gedacht.
Inzwischen bin ich mir sicher, daß solch ein Leben nix für Frauen ist – außer für die wenigen starken wie Anne LaBastille. Jedenfalls, wenn es denn nun zuende gehen soll und muß, ist da nicht das Gefühl, nicht wirklich lebendig und wach gewesen zu sein.

nostalgie

Identitäre Weisheit

Taeter

Der 1904 in Thüringen geborene Steuerinspektor Alwin Gustav Hugo Weisheit war 1941 als Kriegsverwaltungsinspektor mit seiner Staffel in einer Mühle bei Borowsk untergekommen, in der auch viele Zivilisten eintrafen, um ihr Getreide mahlen zu lassen. Um dabei Gedränge zu verhindern, ließ Weisheit die Menschen in einer Reihe antreten und schlug mit einem Stock auf sie ein, wenn sie nicht ordnungsgemäß Folge leisteten. Zum Übernachten sperrte er sie im Keller ein und lockte 2 fast minderjährige Mädchen mit der Behauptung in sein Zimmer, dort sei es wärmer. Doch setzten sich jene zur Wehr, schrien, weinten laut und stürzten mit aufgerissener Bluse aus dem Zimmer. Weisheit lief ihnen betrunken mit Pistole und Taschenlampe nach und gab im Hof einen Schuß ab. Um die Mädchen zu beruhigen, habe er nur Scherz mit ihnen getrieben, den diese offenbar mißverstanden hätten.
Einen Teil des von der Einheit empfangenen Kaffees verwahrte Weisheit in einer Dienstkiste und ließ seine Untergebenen stattdessen Tee trinken. Er selbst behielt sich den Kaffee vor, weil ihm der Tee nicht schmeckte. Auch schlug er sie und gebrauchte Ausdrücke wie: „Du Drecksau, du Mistsau, du dußliges Schwein, du Idiot, dich müßte man mit dem Knüppel windelweich schlagen.“ Selbst seinen Hund, einen weißen Seidenspitz trat und schlug er halbtot. Angeblich habe sich Weisheit gegenüber schwer erziehbaren Untergebenen nur als väterlicher Freund gefühlt, so daß jene noch dankbar hätten sein sollen für seine Erziehungsmaßnahmen. Weil er das Schlachten von Tieren so genoß, ließ Weisheit sich anlernen und schlachtete fortan selbst – in einer Weise, die Beobachtern zuwider war.
1942 bezog Weisheit Unterkunft in einem Dorf nördlich von Woroschilowsk. Wegen der Partisanengefahr ließ er alle Juden des Dorfes mitsamt ihrer Habe auf einem Hof antreten. Danach wurden 75 Personen – Männer, Frauen und Kinder – mit einem LKW in eine Schlucht gefahren, wo sie ihr Massengrab schaufeln mußten, in das sich alle hineinzulegen hatten. Dort wurden sie von Weisheit und 2 weiteren Soldaten mit Maschinen-Pistolen erschossen. Weisheit habe sich das vorher genau überlegt und sich von den Worten des Führers leiten lassen, der ja ohnehin die Juden vernichten wollte, die den Krieg angezettelt hätten. Da keine niedrigen Beweggründe vorlagen, konnte Weisheit auch nicht als Mörder angesehen werden. Auch lasse es sich bei Massenerschießungen nicht vermeiden, daß Frauen und Kinder weinen und um Gnade flehen. Und automatische Gewehre könnten nun mal nicht zu gezielten Todesschüssen eingesetzt werden. Die meisten der Getöteten seien ohne Widerstreben in das Grab gestiegen und hätten sich niedergelegt. Da Weisheit nicht aus Mordlust handelte, konnte er nur mit 1 Jahr unter Zubilligung mildernder Umstände als Totschläger bestraft werden. Für die versuchte Notzucht unter Annahme mildernder Umstände erhielt Weisheit 3 Monate Gefängnis, für das Mißhandeln von Untergebenen 6 Monate, für das Quälen seines Spitzes 3. Ingesamt 2 Jahre Gefängnis. Die Urteilsfindung bezüglich der Hinrichtung von 75 Juden wurde von einem Kriegsgerichtsrat dahingehend kritisiert, daß ein Nationalsozialist nicht wegen Mordes an Juden angeklagt werden könne, deren Vernichtung vom Führer gewollt sei. Eine Verurteilung sei nur zustande gekommen, weil der für den Kriegsrichter zuständige General kein Nationalsozialist war.

Quelle: Ilse Staff, „Justiz im Dritten Reich“, 1964

Rechtspositivismus

Vermesser

„Was sind Staaten ohne Gerechtigkeit anderes als große Räuberbanden?“
Augustinus (354-430)

„Das Recht muß nie der Politik, wohl aber die Politik jederzeit dem Recht angepaßt werden.“ Kant

„Wenn man aufmerksam untersucht, was sich in der Welt zugetragen hat, seit die Menschen die vergangenen Ereignisse im Gedächtnis bewahren, könnte man mühelos feststellen, daß sich in allen zivilisierten Ländern neben einem Despoten, der befiehlt, fast immer ein Rechtsgelehrter befindet, der dessen willkürliche und unzusammenhängende Willensakte in eine Ordnung und Übereinstimmung bringt.“
Alexis de Tocqueville, 1836

„Heute gilt mehr denn je: Gerecht ist, was dem deutschen Volke frommt!“
Dr. jur. Roland Freisler, 1936

Leider ist allgemeingültiges Recht, z.B. als Natur- und Menschenrecht eine Fiktion, die nur auf Übereinkunft und Durchsetzung mit Gewalt beruht. Ursprünglich ging man davon aus, daß der Mensch eigentlich gut und zur Beherrschung seiner Affekte in der Lage sei. Doch werden naturrechtliche Normen durch zeitbedingte Anschauungen geprägt. Da sich der Mensch vom Tier durch den Gebrauch von Vernunft unterscheidet, haben schon die griechischen Philosophen der Stoa ein Naturrecht konstruiert, das jedem zu eigen sei – was damals nicht auf Sklaven bezogen wurde und dadurch seinen Charakter als reiner Gesellschaftsvertrag offenbart. Was blieb, ist die Rationalität der Logik, gegen die Rechtsverständnis nicht verstoßen darf. Rechtspositivismus konstruiert dagegen Recht als das, was dem Einzelnen oder im günstigsten Fall einer demokratischen Gruppe nützt. Es ist damit nicht einer übergeordneten Rationalität verpflichtet, sondern eher geschichtlichen Abläufen.
Verschiedene Beispiele für Rechtspositivismus findet man in der deutschen Politik:
Staat und Religion sollten getrennt sein, da ein Staatswesen auf rationaler Organisation beruht, die von Religionen abgelehnt und behindert wird. Deshalb kann es keinen Religions-Unterricht an staatlichen Schulen geben, der den sich ändernden religiösen Verhältnissen folgen muß. Also zum Beispiel dem Islam genauso viel Raum zu geben hat wie dem Christentum, an Stelle eines übergeordneten, wissenschaftlich orientierten Faches Philosophie.
Freiheit der Religions-Ausübung sieht man als zu den Grundrechten gehörig an, werden jedoch einer Gruppe Rechte zugestanden, die im Konflikt mit übergeordneten Menschenrechten stehen, handelt es sich um Rechtspositivismus. Sonderrechte für Juden und Muslime dürfen nicht gegen das Recht der Unversehrtheit von Unmündigen verstoßen. Beschneidung von Minderjährigen ist Körperverletzung. Sich einen Gott zu erfinden, der einem unumstößliche Weisungen erteilt und Land verspricht, das von anderen bewohnt wird, ist eine besonders krasse Form des Unrechts.
Das Verbot von Meinungsäußerungen verstößt gegen das übergeordnete Recht auf Meinungsfreiheit. Leugnen von Tatsachen ist kein krimineller Akt, schwierig zu definierende Volksverhetzung durchaus. Rechtspositivistisch ist es, das Abstreiten der Vernichtung von 6 Millionen Juden zu bestrafen. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen handelt es sich um eine propagandistische Phantasiezahl. Auch wenn 4 Millionen Opfer immer noch eine monströse Menge ist, kann man das Leugnen dieses Teils der deutschen Geschichte nicht unter Strafe stellen und gleichzeitig einen extremen Juden-Hasser wie Martin Luther als Vorbild anpreisen. Hier wird exemplarisch deutlich, wie konfus Rechtspositivismus sein kann.
Ähnliches in der Drogenpolitik. Die weitaus gefährlichere Droge Alkohol erlaubt, der harmlose Hanf verboten.
Um im missionarischen Eifer und aus Bündniserfordernissen militärisch in der Welt agieren zu können, werden Verfassungs-Restriktionen umgangen, die Kriegseinsätze im Ausland verbieten. Man erklärt so niemandem den Krieg sondern hilft humanitär. Wie im Vietnam-Krieg zuvor, befreit man dabei die Zivil-Bevölkerung eines fremden Landes von sich selbst. Der Satz: „Unsere Freiheit wird in … (Land nach Bedarf einfügen) verteidigt“, stellt eine der übelsten Formen von Rechtspositivismus dar.
Absatz 4 der französischen Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers von 1789 erklärt, daß die Freiheit darin bestehe, alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet. Enthält somit eine klare Aussage zur Bewertung der weltweiten Luft-Verschmutzung durch Musik. „Diese Grenzen können nur durch das Gesetz bestimmt werden.“
„Die Leute sind Schweine!“ S-Bahn-Reinigerin, Berlin

Illustration aus einer französischen Zeitschrift von 1919: Lloyd George, Clémenceau und Wilson teilen Europa neu auf